Otto Rehhagels Griechen suspendiert

Die Weltmeisterschaft 2006 hatte die vom deutschen Trainer betreute Nationalmannschaft Griechenlands verpasst. Doch mit Blick auf die Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz wollte der amtierende Europameister einen Neuanfang wagen. Dem hat die FIFA nun einen Riegel vorgeschoben. Wegen unerlaubter Einflussnahme politischer Entscheidungsträger in Verbandsangelegenheiten des HFF bzw. der Nichteinhaltung des Versprechens, das griechische Sportgesetz den FIFA-Statuten anzupassen darf nun weder die Nationalelf an der EM-Qualifikation teilnehmen noch dürfen griechische Vereine in Europapokalwettbewerben starten. Titelverteidiger Griechenland wurde in der EM-Ausscheidung in die Gruppe C zusammen mit der Türkei, Norwegen, Ungarn, Bosnien, Moldawien und Malta gelost.

Frings gegen Italien gesperrt!

Schock für die DFB-Elf. Die Disziplinarkommission des Fußball-Weltverbandes (FIFA) sperrte den Mittelfeldspieler für zwei Partien, wobei die Sperre für die zweite Begegnung auf Bewährung ausgesprochen wurde. Der Bremer soll nach dem Viertelfinale den Argentinier Cruz ins Gesicht geschlagen haben. Beide Beteiligten bestritten dies. Verantwortlich für das Urteil soll angeblich der ehemalige italienische Verbandspräsident sein, der auch der FIFA-Kommission angehört. Für eine Tätlichkeit ist normalerweise eine Sperre von sechs Partien vorgesehen. Da Frings jedoch nur für das Spiel, ausgerechnet gegen Italien, ersetzt werden muss, bleibt ein fader Beigeschmack.

Mexikaner pfeift Deutschland – Italien

Benito Archundia wird das Weltmeisterschaftshalbfinale zwischen Deutschland und Italien leiten. Die “Azzurri” haben gute Erinnerungen an den Mexikaner. Archundia fungierte bereits beim italienischen 2:0-Vorrundenerfolg über Tschechien als Referee. Außerdem stand er bei den Erstrundenpartien Frankreich – Südkorea (1:1) und Brasilien – Kroatien (1:0) sowie in der Achtelfinalbegegnung Schweiz – Ukraine (0:3 i.E.) auf dem Platz.

Wer wird “Europameister”?

Während unserer Berichterstattung auf Stadionluft.de wurden es zu Zeiten der WM-Qualifikation zunehmend mehr Mannschaften, die ihr Ticket nach Deutschland lösten. Wir durften Trinidad und Tobago aus der Karibik, Ecuador aus den Anden oder Australien von Down Under begrüßen. Jetzt sind mittlerweile 23 von 31 Turniertagen absolviert und aus einem ehemals noch bunten 32er Feld ist ein Quartett geworden und die vier verbliebenen Länder gehören alle dem alten Europa an: eines aus Mittel-, drei aus Südeuropa. Nun wird erstmals spielplanhälften-übergreifend gespielt.

Dass erneut kein afrikanisches Team den Sprung ins Halbfinale schaffen würde, war abzusehen und dafür ist frühestens 2010 in Südafrika die Zeit gekommen, doch der südamerikanische Abgesang im Viertelfinale überrascht die Fußballexperten. Kaum einer hätte damit gerechnet, dass die als Topfavorit gehandelten Brasilianer nach einer verdienten Niederlage gegen Frankreich ihr schlechtestes Abschneiden bei einer Weltmeisterschaft seit ihrem Achtelfinalaus 1990 gegen Argentinien erleben würden. Eben jene Argentinier dagegen warten seit dem zweiten Platz von vor 16 Jahren überhaupt auf eine Halbfinalteilnahme. Somit fahren beide Finalisten des Confed-Cups von 2005 vorzeitig nach Hause, einzig die DFB-Elf ist von den Teams bei dieser WM-Generalprobe noch dabei. Es wird auch 48 Jahre nach den Titelkämpfen in Schweden 1958 (Brasilien gewann das Finale gegen den Gastgeber) keinen zweiten nichteuropäischen Triumph auf europäischem Boden geben. Dabei spielen nahezu alle brasilianischen wie auch argentinischen Stars bei europäischen Clubs.

Lediglich noch vier Mannschaften spielen in nicht mehr als noch vier Spielen den neuen Weltmeister aus, was uns nicht weiter traurig stimmen sollte, hat doch auch die deutsche Elf nach einem WM-Rekord mit fünf Siegen in Folge die Möglichkeit, noch zwei weitere folgen zu lassen und am 9. Juli ihren vierten Titel zu gewinnen. Eine Vorschlussrunde nur mit Europäern, das hat es zuletzt 1982 bei der WM in Spanien gegeben, als Italien letztmalig Weltmeister wurde und davor 1966 bei Portugals – mit Platz drei – größtem Erfolg. Die Portugiesen sind anno 2006 das einzige ungesetzte Team in der Runde der letzten Vier und hätten bereits in der Vorrunde gegen einen der anderen Semifinalisten gelost werden können. Ersetzt man im Übrigen Deutschland durch die Niederlande, bekommt man das Halbfinale der Europameisterschaft von 2000. Seinerzeit bestritten Portugal und Frankreich, die bei WMs noch nie aufeinandertrafen, in Brüssel ihr zweites Pflichtspiel gegeneinander, bei welchem die Equipe Tricolore mit 2:1 per Golden Goal das bessere Ende hatte. Behalten die Blauen auch in München die Oberhand, stehen sie, von der Fachwelt in der Vorrunde als “Rentnerband”, die ihren Zenit überschritten zu haben schien, verspottet, vor dem zweiten Titelgewinn nach 1998. Unterliegt Deutschland am Dienstag Angstgegner Italien, das in der WM-Historie noch nie besiegt werden konnte, wäre dies zugleich die erste deutsche Länderspielniederlage im Dortmunder Westfalenstadion und zudem stünde ein zweites Mal nach dem Zweiten Weltkrieg (1978 schlug Argentinien die Niederlande im Finale) weder Deutschland noch Brasilien im Endspiel. Hoffen wir, dass es soweit nicht kommt.

Brasilien – Frankreich 0:1

Der Titelverteidiger verlässt genauso enttäuschend die WM-Bühne wie er sie betreten hat, Brasilien verabschiedet sich mit einer desolaten Leistung gegen Frankreich vom Turnier in Deutschland. Der Sieger des Abends sind also die Franzosen, Zinedine Zidane war der überragende Mann des Spiels, bereitete den 1:0-Siegtreffer von Henry vor. Für die Selecao bleibt nur der bittere Weg zurück nach Südamerika, die Vorrundenleistungen haben also doch nicht getäuscht.

Aus einem 3:0 vor acht Jahren wurde ein 1:0 – an den Kräfteverhältnissen beider Teams änderte sich aber nichts

Das letzte Viertelfinale der WM im eigenen Land stand an, der Weltmeister bat seinen Vorgänger zum Tanz und wollte sich ganz gerne für die 0:3-Finalklatsche von 1998 revanchieren. Brasilien gegen Frankreich, Fußballkost vom Feinsten, dabei hatten beide Teams vor dem heutigen Tag erst zwölfmal gegeneinander gespielt. Mit fünf Siegen hat Brasilien die Oberhand, doch die letzten Jahre haben gezeigt, dass die Franzosen nicht gerade zu den Lieblingsgegner gehören, so gab es nach dem Endspiel ein 1:2 im Confed Cup und vor zwei Jahren anlässlich der 100. FIFA-Geburtstag ein müdes 0:0. Doch all das ist Schnee von gestern, die Turnierleistung beider Teams ist da wichtiger und die sieht hüben wie drüben nicht allzu rosig aus. Frankreich überstand mühevoll die Vorrunde, konnte sich dann aber gegen die favorisierten Spanier deutlich steigern, während Brasilien die Vorrunde lässig abhakte und auch Ghana irgendwie wegputzte, dabei allerdings maximal fünfzehn Minuten insgesamt guten Fußball zeigte. Der Rest war ein arrogantes Runtergekicke und die Welt fragt sich, ob die Brasilianer einfach nicht mehr können oder aber nur mit den Gegner spielen und immer nur genau so viele Körner wie nötig verpulvern, um im Finale dann groß aufzutrumpfen. Die Aufstellung der Selecao offenbarte zwei Überraschungen, so bot Parreira nicht die gewohnte von 1 bis 11 nummerierte Stammelf auf, sondern vertraute Gilberto Silva für Emerson und nahm für den Stürmer Adriano den Mittelfeldmann Juninho in die Mannschaft auf, eine Maßnahme die er nach einer Stunde dann aber verzweifelt rückgängig machte. Die Marschrichtung war also vermehrt die Absicherung, scheinbar fürchtete man sich vor der französischen Offensivabteilung mit dem zurückgezogenen Zidane hinter Henry – eine Furcht, die durchaus berechtigt war, wie sich herausstellen sollte.

Die Anfangsphase gehörte dem Rekordweltmeister, der entgegen seiner nominellen Aufstellung Druck macht und mit Ronaldinho im Sturm neben Ronaldo das Tor suchte. Juninho setzte einen ersten Warnschuss neben das Tor von Fabien Barthez, Ronaldo bekam seinen Kopf nicht ausreichend hinter den Ball. Die 48.000 Zuschauer in Frankfurt spürten, dass Brasilien sich durchaus bewusst war, dass hier und heute kein Trainingsspiel stattfinden würde. Die Selecao agierte forsch und auf den frühen Treffer aus, doch als dieser auch nach einer Viertelstunde nicht fiel, wurde das Tempo rausgenommen und Frankreich kam immer besser in dieses Viertelfinale. Die Taktik dominierte das Geschehen auf dem Platz, ein gewonnener Zweikampf war mehr wert als ein Torschuss und so blieb für die Zuschauer weltweit vorerst wenig zu begutachten übrig. Erst nach runde 35 Minuten entstanden die nächsten nennenswerten Aktionen, die Franzosen durchbrachen den Mittelfeldkampf mit einigen Offensivansätzen, durchbrachen dabei aber die auf den Außenbahnen unsicher Abwehr nur unzufrieden stellend. Von Brasilien war immer weniger zu sehen, der Masterplan von Parreira schien nicht aufgegangen zu sein und ehe man jetzt wirklich einmal Fußball spielen sollte, wäre es doch sicher ratsamer, einfach wieder in die tiefe Lethargie zu verfallen und das Spiel einzig durch das schelmische Grinsen von Ronaldinho attraktiv zu gestalten. Frankreich kam in Minute 38 zur einzig wirklich gefährlichen Torchance der ersten Hälfte, Zidane bringt einen Freistoß in die Mitte und Malouda köpft mehr in Richtung Himmel denn Boden, sodass das Spiel mit einem Balljungen weiterging. Es tat sich nichts mehr, die Partie befand sich technisch wie kämpferisch auf höchstem internationalen Niveau, zunächst diktierte Brasilien das Geschehen, dann aber zog man sich immer mehr zurück und so hätte sich Frankreich kurz vor dem Wechsel fast den Treffer verdient.

Nach dem Seitenwechsel schwenkten die Spielanteile und damit auch die Torchancen deutlich auf französische Seite um, von Brasilien kam fast nichts mehr. Es brach die Zeit des Zinedine Zidane an, der für das letzte Vorrundenspiel gesperrt war und so um ein Haar sein letztes Spiel im blauen Dress bei einer Auswechslung gegen Südkorea gehabt hätte. Doch alles kam anders und jetzt brillierte der Altstar in einem WM-Viertelfinale gegen den amtierenden Weltmeister. Immer wieder war es Zidane, der sich die Bälle holte und seine Mitspieler vor dem Tor einzusetzen suchte, unterstützt wurde er von hinten vom kaum schwächer spielenden Vieira, in dessen Leistung sich nun Makélélé, Ribéry oder auch vorne Henry glanzvoll einreihte. Der Triumphzug begann mit einer ähnlichen Aktion wie dem Kopfball von Malouda, nur diesmal war es Vieira, der einen Ball von Zidane über das Tor hebt. Jede andere Mannschaft hätte sich nun geschockt gezeigt, aber Brasilien ist da anders, Brasilien zeigte sich eher wie Ottfried Fischer nach einem Witz. Oder einem Satz. Oder einer Frage. So ganz weiß man das ja nie. Kurzum: Brasilien spielte weiter wie in den vier Spielen zuvor auch. Der Fußballgott hätte Unrecht getan, hätte er nicht die 57. Minute folgen lassen und mit ihr das Gegentor für Brasilien. Zidane bringt seinen gefühlten 28. Freistoß in den Strafraum, drei brasilianische Zauberfußball gehen halbherzig mit, fünf bleiben am Strafraumrand stehen, zwei sind irgendwo Caipirinhatrinken und Torwart Dida ist dann gegen den Schuss von Thierry Henry machtlos. Jetzt war Brasilien erstmals in diesem Turnier gefordert, alle Welt glaubte nun an wütende wie durchschlagende Angriffe über das magische Viereck, aber denkste – spielbestimmend war weiterhin Frankreich. Es folgten zwei bis drei recht gute Tormöglichkeiten für die Equipe Tricolore, von brasilianischer Gegenwehr war wenig bis gar nichts zu sehen. Bis zur 70. Minute machte Frankreich dann weiter Druck, kam aber nicht mehr so recht in Tornähe und leistete sich sodann den Luxus, gegen den Rekordweltmeister zwanzig Minuten lang ein 1:0 zu halten. Spätestens jetzt hätte man von den südamerikanischen Stars ein paar Kreativaktionen erwarten können, es muss ja nicht immer zaubern sein, aber das Kämpfen ist das Spiel der Brasilianer nicht und so ergab man sich fast schon reumütig seinem Schicksal. Kurz vor dem Schlusspfiff wurde es für Barthez dann noch zweimal eng, aber der Ausgleich hätte kaum die Kräfteverhältnisse rechtfertigen können.

Für Frankreich bedeutet der 1:0-Erfolg den neuerlichen Schritt in ein WM-Halbfinale. 2002 war man noch kläglich in der Vorrunde gescheitert, nun aber schlug man mit Spanien und Brasilien zwei der am stärksten eingeschätzten Teams und muss sich nun auch nicht vor Portugal verstecken. Brasilien hingegen reist aus Deutschland ab, hatte nicht mehr drauf als das bisschen Ballgeschiebe und wäre vielleicht bei einem stärkeren Gegner schon im Achtelfinale gescheitert. Vor dem Turnier traute man der Mannschaft alles zu, sie schien zusammen gewachsen zu sein und glänzte mit Visitenkarten, die in der Fußballwelt ihres gleichen suchen. Dann konnte man auch schwache Spiele verzeihen, nur der Sieg zählte und es wurde der Eindruck eines Bayern München verbreitet. Nur als dann der erste starke und ernst zu nehmende Gegner kam, brachte Brasilien nicht mehr als zuvor zustande, wollte nach gutem Start mit wenig spielerischen Mitteln einen Minimalistensieg einfahren, hatte da dann aber die Rechnung ohne ein wieder erstarktes Frankreich gemacht. Nach dem Gegentreffer hatte man eine halbe Stunde Zeit, um endlich einmal zu überzeugen und sich gegen die Niederlage zu stemmen, doch die Marschrichtung blieb die gleiche. Dieser Mannschaft war es ohne Anzeigentafel nicht anzusehen, ob sie gerade ein 4:0 nach Hause fuhr oder wie heute in einem Viertelfinale zurücklag und das hat ihr letztlich das Genick gebrochen. Unzweifelhaft können die Spieler mehr und es wäre vermessen zu behaupten, dass Brasilien keine gute Mannschaft wäre, aber fest steht, dass die WM 2006 für die brasilianische Elf zu Enttäuschung wurde – genauso wie sie selber es für uns wurde.

England – Portugal 1:3 i.E.

Es bleibt dabei: England kann bei großen Turnieren kein Elfmeterschießen gewinnen. Im Viertelfinale gegen Portugal scheiterten die Three Lions einmal mehr an der letzten aller Entscheidungsfindungen. In 120 Minuten war zuvor kein Tor gefallen, zudem musste England ab der 62. Minute mit einem Mann weniger auskommen, Rooney wurde des Feldes verwiesen. Im Elfmeterschießen vergaben Lampard, Gerrard und Carragher.

Portugeil! Ricardo sorgt für englisches Elfmeter-Aus, das für 120 ereignisarme Minuten entschädigt

Wie im Viertelfinale der Europameisterschaft 2004 wurde das Spiel zwischen England und Portugal erst im Elfmeterschießen entschieden. In den 120 Minuten zuvor gab es viel Kampf und Krampf, wobei die Engländer eine Stunde nur mit zehn Mann spielen mussten – Rooney sah die Rote Karte. Für die Fans von der Insel, von denen auch einige Tausend im Gelsenkirchener Stadion vor Ort waren und die ihre Mannschaft zum ersten Halbfinaleinzug seit der WM 1990 treiben wollten, dürfte es hochgradig spannend gewesen sein. Der deutsche Fernsehzuschauer dagegen dürfte es nicht einmal in der Verlängerung sonderlich spannend oder gar dramatisch gefunden haben. Ein müder Sommerkick am Spätnachmittag bei hohen Temperaturen eben. Ricardo avancierte schließlich zum Helden, der Keeper Portugals hielt drei Elfmeter, womit der Vize-Europameister erstmals nach 40 Jahren im Halbfinale steht, England ausscheidet und seinen Traum vom lang ersehnten Titel nun begraben muss! Die Portugiesen entwickeln sich so langsam zum Angstgegner für die Briten und konnten am Samstag einen Prestigeerfolg feiern, da auch einige Spieler der Iberer bei englischen Vereinen unter Vertrag stehen.

Englands Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson konnte beim Viertelfinale gegen Portugal wieder auf Neville bauen, der nach seiner Wadenverletzung zurückkehrte. Hargreaves rückte von der rechten Verteidigerposition vor ins defensive Mittelfeld. Carrick fiel im Vergleich zum 1:0-Erfolg im Achtelfinale über Ecuador aus dem “Three Lions“-Team. Im Sturm wurde Rooney nach Owens Kreuzbandriss im Spiel gegen Schweden lediglich von dem eher offensiv agierenden Gerrard unterstützt. Beim hart umkämpften, zeitweilig brutalen Achtelfinale der Portugiesen gegen die Niederlande (1:0) mussten Costinha und Deco beide mit Gelb-Rot vom Platz. Nationalcoach Luiz Felipe Scolari nominierte für die beiden gesperrten Petit und Tiago. Doch es war fraglich, ob man derart ersatzgeschwächt und ohne den Chelsea-Spieler sowie den Spielmacher vom FC Barcelona die Engländer würde niederringen können. Wenn doch, hätte man im Vergleich zur Euro 2004 die Niederlande und England in umgekehrter Reihenfolge ausgeschaltet. In der Anfangsphase erspielte sich der Weltmeister von 1966 ein leichtes optisches Übergewicht. Typisch englisch ließen die Kicker von der Insel den Ball zunächst im Mittelfeld laufen, um dann Rooney mit einem hohen Ball oder weitem Pass in Szene zu setzen. So war es der Youngster, der nach zehn Minuten mit dem ersten Weitschuss Ricardo prüfte. Der Keeper des Teams aus Südwesteuropa bestand diese Feuertaufe souverän. Ansonsten passierte schon von Beginn an nicht sonderlich viel.

Portugal fand dann aber besser in die Begegnung. Mit schnellem Pass-Spiel versuchte die Scolari-Elf das Umschalten von Abwehr auf Angriff zügig zu gestalten. So parierte Robinson einen Distanzschuss von Cristiano Ronaldo (11.), eine verunglückte Abwehraktion von Neville konnte Tiago nicht nutzen, da er aus kurzer Distanz nicht mehr an den Ball kam (14.). Hier handelte es sich indes nicht um wirklich zwingende Torgelegenheiten. Der Ball wurde in dieser Phase mitunter leichtfertig verloren und man verzettelte sich zunehmend in Einzelaktionen. Auch das Tempo ließ, sehr zum Missfallen der 52.000 Zuschauer in der ausverkauften Arena ab der 35., 40. Minute merklich nach. Keiner wollte einen, möglicherweise schon entscheidenden Fehler begehen und es schien fast, als sei beiden Mannschaften eine Entscheidung im Elfmeterschießen – eine englische Domäne… – nicht unlieb. Anders als im portugiesischen Achtelfinalmatch kam es heute nicht zu wenigen harten sondern eher zu einer Reihe kleiner, versteckter Fouls, worunter etwas der Spielfluss litt und dem argentinischen Schiedsrichter Elizondo, bereits Leiter des Eröffnungsspiels, die Sache erschwert wurde. Immerhin gab es vor dem Wechsel noch einmal eine vorzügliche Gelegenheit, das Tor zu erzielen, welches dem Spiel so gut getan hätte, doch Kapitän Figos Schlenzer ging knapp am rechten Pfosten vorbei (40.). Das wollte auf der Gegenseite Lampard nicht auf sich sitzen lassen und probierte es in der 45. Spielminute seinerseits mit einem Distanzschuss, ohne aber Torhüter Ricardo ernsthaft in Gefahr zu bringen. Die Halbzeitpause hatte sich eigentlich keine der beiden Nationalmannschaften redlich verdient, allerdings wartete man auch nicht gerade sehnsüchtig darauf, dass es weiterging.

Doch Elizondo hatte kein Einsehen und so bat der Referee die Akteure nach einer viertelstündigen Unterbrechung wieder auf den Rasen. Wesentlich besser wurde es auch im zweiten Abschnitt nicht. Im Gegenteil: jetzt würde sich eine Unkonzentriertheit noch schwerwiegender auswirken und wer das nächste Tor erzielen würde, ginge vermutlich als Sieger aus diesem dritten Viertelfinale hervor. Anreiz genug müsste ein zu erwartendes Halbfinale gegen Brasilien eigentlich sein, dennoch war das auf dem Rasen dargebotene mit „Magerkost“ vorsichtig umschrieben. Zu allem Überfluss war die Begegnung für Englands schillernden Spielführer Beckham aufgrund einer Verletzung bald darauf zu Ende. Schon nach 52 Minuten musste der Freistoß-Spezialist nach gezeigter durchschnittlicher Leistung für den jungen Lennon vom Feld. Die Eriksson-Elf ging engagierter zu Werke, baute wieder mehr Druck auf. Eine Gerrard-Ecke nahm in der 54. Minute Terry direkt per Volley-Schuss, aber der Aufsetzer flog über den Kasten von Ricardo. Gerade als die Insel-Kicker mehr Torgefahr entwickelten, schwächten sie sich selbst: Rooney und Ricardo Carvalho verhakten sich bei einem Zweikampf im Mittelfeld ineinander. Der englische Stürmer wollte sich befreien und versetzte dem Portugiesen genau vor den Augen des Unparteiischen einen Tritt. Dieser zögerte nicht lange und zückte die Rote Karte (62.). Bei dieser Szene soll im Übrigen Portugals Cristian Ronaldo den Schiedsrichter auf das Vergehen seines Mannschaftskameraden von Manchester United aufmerksam gemacht haben. Die Briten zeigten sich davon wenig schockiert, sie kämpften füreinander und ließen ihrem Kontrahenten wenig Platz vorm eigenen Strafraum.

Entscheidend wirkte sich die numerische Unterzahl auch nicht aus, denn ob nun vorne ein Rooney herumsteht und auf Bälle wartet oder nicht, Wayne interessiert‘s? Die Iberer jedenfalls mühten sich in der Folge bei elf gegen zehn merklich ab, nahmen das Heft in die Hand, ohne jedoch einmal auf die Idee zu kommen das Tempo spürbar zu erhöhen und die Engländer ans Laufen zu bekommen. Portugal versuchte den Gegner auszuspielen, sich zurechtzustellen, eine Taktik die jedoch bis zum Schluss der regulären Spielzeit nicht von Erfolg gekrönt war. Nur noch zwei Chancen weckten den Zuschauer aus seinem Spätnachmittagsschlaf auf: Zuerst war es Figo, der mit einem scharfen Schuss vom rechten Strafraumeck Keeper Robinson zu einer Parade zwang und der England im Spiel hielt (79.) und vier Minuten später ließ Ricardo einen hart geschossenen Freistoß aus gut 25 Metern abprallen, doch der Nachschuss von Lennon wurde eine sichere Beute des Torhüters von Sporting Lissabon. Zwar dominierten die Roten die Endphase der regulären 90 Minuten, brachten auch noch Angreifer Postiga für Mittelfeldspieler Figo und ließen das Leder ganz gut zirkulieren ohne sich weitere Chancen herauszuarbeiten. Die Verlängerung, eigentlich logische Folge des bisherigen Verlaufs, überspringen wir einmal, denn bis auf zwei Alibischüsse von Petit und Simao machten die Mannschaften keinen Hehl daraus, es nur auf die Elfer-Lotterie abgesehen zu haben.

Mitleid dürfte man mit dem portugiesischen Team indes im Falle eines dortigen Ausscheidens nicht haben, denn die Südwest-Europäer hatten es vorher ziemlich genau eine Stunde lang in Überzahl selbst in der Hand und versuchten nicht alles um vorher eine Entscheidung herbeizuführen. Oder sie verließen sich auf Schlussmann Ricardo, seines Zeichens bereits 2004 der große Elfmeterheld, bzw. auf das bekannte, beinahe an die Schweizer erinnernde englische Elfmeterschießen-Problem. Wie dem auch sei, Ricardo riss die Angelegenheit wieder einmal aus dem Feuer und parierte bei Portugals allererstem WM-Elfmeterdrama gleich drei Strafstöße und führte zumindest die aktiven Spieler zu ihrem größten Erfolg mit der Nationalelf. Der Tormann hielt gegen die sicheren Strafstoßschützen Lampard und Gerrard sowie gegen Carragher, während auf portugiesischer Seite erst Viana und dann Petit den linken Pfosten trafen. Ein verwandelter Elfer von Bayern Münchens Heargreaves, der heute bester englischer Spieler war, reichte nicht um mit der „besten englischen Mannschaft seit 40 Jahren“ im Rennen um den zweiten großen Titel überhaupt zu bleiben. Einen solchen Titel hat das kleine Portugal überhaupt noch nie geholt, kann dies aber mit nicht mehr als zwei weiteren Siegen schaffen. Doch zuerst trifft man im Halbfinale auf den Sieger aus Brasilien-Frankreich und wenn sich die „Selecao“ etwas steigert, dürfte es in der Runde der letzten Vier nach Portugal-Angola in der Vorrunde mit Portugal-Brasilien zum zweiten portugiesischsprachigen Duell kommen. Einen Rekord hat Portugals Trainer Scolari jedenfalls schon sicher. Ausgerechnet mit den Brasilianern wurde er 2002 mit sieben Siegen Weltmeister und ließ nun 2006 fünf weitere folgen. Die Europäer werden sich für Scolaris Siege Nummer 13 und 14 in Serie gewiss auch noch steigern müssen.

Italien – Ukraine 3:0

Unser WM-Gegner im Halbfinale ist kein geringerer als die Squadra Azzurra. Die Mannschaft Italiens besiegte am Abend die ukrainische Equipe mehr oder weniger mühelos durch die Treffer von Zambrotta und zweimal Luca Toni mit 3:0. Dabei zeigte der dreimalige Weltmeister kontrollierten Defensivfußball mit starken Konterspitzen, die Aufgabe wird also kaum leichter als heute werden. Aber da hat es bekanntlich geklappt, dazu dann das Publikum in Dortmund, am Dienstag sind wir alle schlauer.

Auch die letztmögliche Sensation bleibt aus – WM 2006 als Turnier der Großen, weltmeisterliche Traditionshalbfinals locken

Gesucht wurde der Halbfinalgegner der deutschen Mannschaft, nur eine Stunde nach dem Elfmeterkrimi standen sich in Hamburg Italien und die Ukraine gegenüber. Beide Mannschaften erlebten bei diesem Turnier Licht und Schatten. Für die Ukraine ging es mit einer 0:4-Klatsche gegen Spanien los, dann aber folgten Siege gegen Saudi-Arabien und Tunesien, die das Achtelfinale gegen die Schweiz sicherten. Dort boten die Osteuropäer zurückhaltenden Defensivfußball, der dann zu einem Sieg im Elfmeterschießen führte und jetzt begrüßte man freundlich die Squadra Azzurra. Diese ließen zwar nur gegen die USA Punkte im ersten Prügelspiel dieser WM, kamen aber bei den übrigen Spielen nicht über einen grundsoliden Gesamteindruck hinaus. So wurde es gegen Australien richtig schwer, erst mit dem Schlusspfiff in der 95. Minute gelang das überaus glückliche 1:0. Unnötig zu erwähnen, dass sich beide Teams für das heutige Viertelfinale viel vorgenommen hatten, Italiens Trainer Lippi vertraute wieder auf Totti, bei der Ukraine fehlten Voronin verletzt und Rusol gesperrt.

Schon nach vier Minuten der erste Warnschuss der Italiener, Camoranesi verzog nur knapp, kurz darauf machte es Zambrotta besser. Totti spielt den Ballverteiler vorm Strafraum, der Mann von Juve zieht aus der Ferne ab und trifft zum 1:0. Damit war das taktische Abwarten schon nach sechs Minuten vernichtet, die Ukraine musste kommen, Italien konnte sich mit Kontern über Wasser halten. Viel sollte gerade in dieser Phase über Shevchenko gehen, doch der Star der Truppe erwischte nicht den ersten schlechten Tag bei dieser WM und mischte sich nur in Maßen ins Offensivspiel ein, überzeugte als präsenter Statist. So vergingen die Minuten ereignislos, weil die ukrainischen Spieler in ihrer Kreativität beschränkt daherkamen und auch sonst wenig spielerische Mittel parat hatten. Italien ging im ureigenen Spiel auf, baute sich vermehrt selbst hinten zu und konnte auf einen gut aufgelegten Totti als Walter im Sturm zurückgreifen, der dann zum Vollstrecker Toni weiterleiten konnte. 23 Minuten waren gespielt, da hätte Italien nach Foul an Perrotta eigentlich einen Strafstoß bekommen müssen, doch das war auch schon alles an Erwähnenswerten. Wer die Ukraine gegen die Schweiz gesehen hat, der kann sich denken, wie diese erste Hälfte nun verlaufen sollte. Erst kurz vor dem Pausenpfiff keimte dann etwas wie ukrainische Torgefahr auf, Tymoshchuk, Shevchenko und auch Kalinichenko verpassen aber recht deutlich. Das 1:0 zur Pause war der verdiente Halbzeitstand, die Ukraine konnte sich nicht als spielstarkes Team präsentieren, auch zum Kämpfen war man augenscheinlich noch nicht aufgelegt, sodass Italien ein starker Angriff und dann Passivität zur Pausenführung genügte.

Dann aber stand das Spiel nach Wiederanpfiff überraschenderweise doch noch ernsthaft zur Disposition, denn die Ukraine zeigte, dass sie im Grunde auch ideenreich spielen kann. Erst klärt Buffon einen Ball von Gusin gerade so noch an den Pfosten, dann muss der italienische Keeper höchsten Einsatz gegen Kalinichenko zeigen. Das Tor aber fiel nicht, gut aber für den deutschen Trainerstab, dass nun Anschauungsmaterial vorhanden ist, wie man diese italienische Defensive bezwingen kann, nämlich durch flottes und zielstrebiges Kurzpassspiel und maßgenaue Abschlüsse, ein guter Ansatzpunkt für Schneider und Schweinsteiger mit Zug nach vorne. Für die Ukraine sollte diese Drangphase allerdings nicht ausreichen, denn schon in Minute 59 machte der dreimalige Weltmeister den Sack zu. Erneut ist Totti der Vorbereiter, seine Ecke köpft Luca Toni ins Netz und hat damit wohl gerade noch rechtzeitig vorm Prüfstein Deutschland ins Turnier gefunden. Damit war der Sack eigentlich zu, obwohl zwei Minuten später Gusin noch eine Großchance an die Latte bringen kann. Italien aber gab sich keine Blöße, überstand die eigene Schwächephase mit einem erhöhten Spielstand wie es nur Spitzenteams können, das insgesamt gerechte 3:0 folgte dann in der 68. Minute erneut durch Toni. Zum Ende hin machten beide Seiten ihre Reihen auf und versuchten es nicht mehr mit letzter Konsequenz, die Ukraine wollte noch den Ehrentreffer und Italien nutzte die Räume zum Kontern, aber etwa eine Handvoll Torchancen später endete ein einseitiges Viertelfinalspiel mit 3:0 für den Favoriten.

Es hat nicht sollen sein für die Ukraine. Hatte man gegen den Geheimfavoriten Schweiz noch das Glück des Untüchtigen, so genügten die spielerischen Mittel ganz klar nicht gegen eine Mannschaft vom Format Italiens. Nun kann man sich gezielt auf die EM vorbereiten, bewirbt sich darüber hinaus mit Polen zusammen um die Ausrichtung des Kontinentalturniers und kann so vielleicht an den Aufwärtstrend anknüpfen, ein WM-Viertelfinale ist ein exzellentes Ergebnis für so ein Land, alles andere wäre vermessen gewesen. Italien gibt sich keine Blöße, machte den Sack schon früh zu und gewann dann von Minute zu Minute mehr Spielpraxis, ist jetzt ein heißer Anwärter auf den Titel. Die Chancen dazu stehen aber immer noch nicht größer als die der deutschen Mannschaft, denn nur der Sieger wird am Dienstag ins ersehnte Endspiel einziehen. Mit diesem Sieg hat sich Italien für das schmerzende Ausscheiden von 2002 rehabilitiert und das Minimalziel erreicht, jetzt könnte man aber wie schon Topfavorit Argentinien das Pech haben, auf die deutsche Mannschaft treffen zu müssen. So durften wir Deutsche lange nicht mehr reden, also nutzen wir es doch bis zur Vergasung aus.

Deutschland – Argentinien 4:2 i.E.

Nervenschlacht mit Happy End in Berlin: Im Elfmeterschießen besiegte die DFB-Elf Argentinien mit 4:2 und steht im Halbfinale der WM. Nach 90 Minuten hatte es 1:1 gestanden. Die Führung der Gauchos durch Ayala aus der 50. Minute egalisierte Klose kurz vor Schluss. Nachdem auch die Verlängerung keine Sieger hervorgebracht hatte, musste das Elfmeterschießen über den Einzug ins Halbfinale entscheiden. Während auf deutscher Seite alle vier Schützen trafen, parierte Jens Lehmann gegen Ayala und Cambiasso.

Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein gewaltiger für Deutschland

Einmal mehr war es Gastgeber Deutschland vorbehalten, die nächste Runde der WM zu eröffnen. Diesmal also das Viertelfinale, der Gegner hieß Argentinien, Schauplatz war das Berliner Olympiastadion. Die Gauchos gehörten bis dato definitiv zu den stärksten Teams dieser Endrunde und stellten für die Klinsmann-Elf den ersten echten Prüfstein dar. Deutschland hatte sich nach der souverän überstandenen Vorrunde mit drei Siegen im Achtelfinale problemlos gegen Schweden mit einem 2:0-Erfolg behauptet. Argentinien gelang in der „Todesgruppe“ C der ungefährdete Aufstieg schon nach dem zweiten Spieltag, Glanzlicht dabei war ein 6:0 gegen Serbien und Montenegro. Etwas knapper wurde es im Achtelfinale gegen Mexiko. Erst in der Verlängerung konnte sich die Albiceleste durchsetzen. Maxi Rodriguez gelang ein absolutes Traumtor, welches das Weiterkommen sicherstellte. Argentiniens Startelf wies gegenüber dem Mexiko-Spiel drei Veränderungen auf. Tevez nahm den Platz von Saviola im Angriff neben dem Toptorjäger der Argentinier, Hernan Crespo (3 Tore), ein. Cambiasso musste Gonzalez ebenso weichen wie Scaloni Coloccini. Alles wie erwartet dagegen bei Deutschland: Ballack und Klose wurden von der medizinischen Abteilung rechtzeitig für fit erklärt, folglich kam exakt jene Elf zum Einsatz, die Schweden mit 2:0 bezwungen hatte.

Die Partie begann zerfahren und war von vielen kleinen Nickligkeiten geprägt, zahlreiche Unterbrechungen verhinderten, dass Spielfluss aufkam. Aus dem Spiel heraus passierte zunächst wenig. Der ersten Torschuss gab Lukas Podolski bei einem Freistoß ab (7.). Torhüter Abbondanzieri konnte diesen zwar abwehren, offenbarte dabei aber die erste von vielen kleinen Unsicherheiten, die noch folgen sollten. Ein Blitzstart wie in den Spielen gegen Costa Rica, Ecuador oder Schweden blieb Deutschland zwar verwehrt, mit der Anfangsphase konnte man aber dennoch zufrieden sein. Die Mannschaft zeigte keinen Respekt vor den Argentiniern, attackierte früh und erzwang damit eine Reihe von unnötigen Ballverlusten in den Reihen der Albiceleste. Nach etwas über einer Viertelstunde dann die erste Chance für den Gastgeber: Schneider, der eine starke Anfangsphase spielte (danach aber ebenso stark nachließ), flankte aus dem Halbfeld auf Ballack, dessen Kopfball nur Zentimeter am Tor vorbeiflog (16.). Wenig später zog Mertesacker aus 16 Metern aus der Drehung ab, sein Schuss ging über das Gehäuse (18.). Damit wären sämtliche Torchancen, die es im ersten Durchgang zu sehen gab, bereits abgearbeitet. Das soll aber nicht heißen, dass die Partie nicht trotzdem einen gewissen Unterhaltungswert besaß. Dieser speiste sich nicht aus packenden Torraumszenen, sondern aus der ungemeinen Intensität, mit der die Begegnung von beiden Seiten geführt wurde. Insgesamt hatte die DFB-Elf in Halbzeit eins ein leichtes Chancenplus zu verbuchen, für die Gauchos stand mehr Ballbesitz zu Buche. Dieser wurde aber zu wenig genutzt. Deutschland war anzumerken, dass man schnell und direkt nach vorne spielen wollte, es gelang aber viel zu selten die beiden Spitzen Klose und Podolski mit brauchbaren Zuspielen zu versorgen. Die Südamerikaner beschränkten sich bei Ballbesitz vornehmlich darauf, das Tempo zu verschleppen. Erfolgsverprechende Angriffe wurden zumeist über die linke Seite mit dem sehr offensivfreudigen Sorin initiiert, der es aber ebensowenig wie der blasse Regisseur Riquelme schaffte, den finalen Pass an den Mann zu bringen.

Halbzeit zwei begann mit auf beiden Seiten unverändertem Personal und einem gehörigen Schock für Deutschland. Nach einem Eckstoß von Riquelme köpfte Abwehrchef Ayala, von Klose nur unzureichend gedeckt, zum 1:0 ein (49.). Effektivität ist das passende Wort an dieser Stelle, denn auch in den ersten Minuten nach dem Seitenwechsel hatte Argentinien keinerlei Torgefahr erzeugt. Für die deutsche Mannschaft war diese Situation ganz neu – bisher war man bei dieser WM noch nicht in Rückstand geraten. Doch das Team erholte sich rasch und versuchte umgehend, zu antworten. Die Argentinier agierten verständlicherweise weiter so zurückhaltend wie zuvor, es war früh abzusehen, dass die Albiceleste nicht mit allen Mitteln ein zweites Tor und die damit verbundene Vorentscheidung erzwingen wollte. Auch nach der Einwechslung von Odonkor (für Schneider) tat sich Deutschland schwer, Mittel gegen den gegnerischen Defensivverbund zu finden. Nach einer Ecke kam Ballack in vielversprechender Position an den Ball, sein Schuss wurde aber abgeblockt, den anschließenden Kopfball des Kapitäns parierte Abbondanzieri mühelos (64.). Es war eine der letzten Aktionen des Torhüters, der sich bei einem Zusammenprall mit Klose verletzte und 20 Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit gegen Leo Franco ausgetauscht werden musste. Auf diesen ersten Wechsel ließ Pekerman gleich den nächsten folgen, der eindeutig defensiv orientierte Cambiasso ersetzte Riquelme, der bis auf den Eckball, der zum Tor führte, kaum Akzente setzen konnte. Diese Maßnahme zeigte eindeutig, dass man das Ergebnis über die Zeit retten wollte. Fast wäre Argentinien sogar das 2:0 gelungen: Lahm leistete sich einen schlimmen Fehlpass zu Tevez. Der Stürmer zog zwei Deutsche auf sich und bediente Maxi Rodriguez, der das Außennetz traf (73.). Deutschland lief die Zeit langsam, aber sicher davon. Klose kam am Fünfmeterraum zum Schuss und wurde abgeblockt (79.). Wenige Augenblicke später war es eben jener Miroslav Klose, der ein ganzes Land erlöste. Ballack flankte auf Borowski, der den Ball auf Klose verlängerte. Der Bremer Torjäger setzte sich gegen seinen Bewacher Sorin durch und traf per Kopf zum 1:1 (80.). Pekermans Plan, mit einer defensiven Ausrichtung den Vorsprung ins Ziel zu bringen, war über den Haufen geworfen, hinzu kam, dass er keine Möglichkeit mehr hatte, mit einem Wechsel auf die neue Situation zu reagieren und sein Team für die anstehende Verlängerung neu einzustellen. Beinahe wäre das auch nicht nötig gewesen. Lahm attackierte Rodriguez im Sechzehner, Schiedsrichter Michel wertete die Aktion als eine Schwalbe des Argentiniers (88.) – eine Entscheidung, über die zumindest diskutiert werden darf. Lucho Gonzalez zwang Lehmann zu einer tollen Parade, der Treffer hätte wegen Abseits aber nicht gezählt (89.). Alles in allem war das Remis nach 90 Minuten verdient, Deutschland bewies eine tolle Moral und ließ sich von dem Rückstand nicht unterkriegen, während die Südamerikaner es verpassten, auf ein zweites Tor hinzuarbeiten und dafür letztendlich mit Kloses Ausgleichstreffer bestraft wurden.

Beide Trainer hatten ihr Wechselkontingent in der regulären Spielzeit ausgeschöpft. Somit musste auch Michael Ballack auf dem Feld bleiben, obwohl der Kapitän sichtlich angeschlagen war. Vor beiden Toren passierte wenig. Metzelder köpfte nach einer Ecke von Neuville drüber (102.), Gonzalez schoss volley am Tor vorbei (105.). Nach dem neuerlichen Seitenwechsel waren es die Argentinier, die den Ton gegen nun sehr tief stehende (weil nach Ballacks Verletzung de facto in Unterzahl agierende) Deutsche angaben. Ein unplatzierter Distanzschuss von Tevez verlangte Lehmann keine Glanzleistung ab (106.). Der Torhüter war mit Fortuna im Bunde, als er bei einem aus dem Mittelfeld abgegebenen Schuss von Coloccini nicht eingriff, sondern das Spielgerät auf die Latte tropfen ließ (115.). Nachdem die halbstündige Extraschicht keinen Sieger hervorgebracht hatte, war das Elfmeterschießen unausweichlich. Neuville und Ballack hatten für Deutschland getroffen, Cruz für Argentinien, Lehmann hielt gegen Ayala. Damit war die DFB-Elf im Vorteil und behielt diesen auch, weil Podolski und Borowski keine Nerven zeigten. Der vierte Schütze der Argentinier, Cambiasso, musste treffen. Doch Lehmann hatte das bessere Ende für sich und parierte Cambiassos Versuch. Nach dem Elfmeterschießen kam es noch zu einigen unschönen Szenen. Argentinies Cufre hatte Mertesacker mit einem Tritt niedergestreckt und sah dafür nach Spielende Rot.

Der Siegeszug der Deutschen bei dieser WM fand in Berlin seine Fortsetzung. Die Klinsmann-Elf verdiente sich den Einzug ins Halbfinale mit 120 Minuten aufopferungsvollem Kampf, toller Moral und dem am Ende nötigen Quäntchen Glück. Jürgen Klinsmann darf sich in seiner Entscheidung für Jens Lehmann und gegen Oliver Kahn bestätigt fühlen – schließlich war es der Torhüter, der im finalen Shoot-Out zum Helden avancierte. In der Vorschlussrunde geht es am Dienstag in Dortmund gegen den Sieger aus dem Duell Ukraine gegen Italien, das in Hamburg stattfindet.

Grünes Licht für Ballack und Klose

Erleichterung im Lager der deutschen Nationalmannschaft. Sowohl Michael Ballack als auch Miroslav Klose sind bei der heutigen Viertelfinalpartie gegen Argentinien ohne Bedenken einsatzbereit, die medizinische Abteilung gab grünes Licht für das für den Erfolg abhängige Duo. Laut der Aussage von Jürgen Klinsmann werden beide Spieler auch in der Startaufstellung stehen. Miroslav Klose ist mit vier Toren aktuell der torgefährlichste Spieler der laufenden Weltmeisterschaft und somit aus dem deutschen Team nicht wegzudenken. Michael Ballack konnte sich von Partie zu Partie stets steigern und ist der erhoffte Führungsspieler im Team der deutschen Elf.