Italien – Ukraine 3:0

Unser WM-Gegner im Halbfinale ist kein geringerer als die Squadra Azzurra. Die Mannschaft Italiens besiegte am Abend die ukrainische Equipe mehr oder weniger mühelos durch die Treffer von Zambrotta und zweimal Luca Toni mit 3:0. Dabei zeigte der dreimalige Weltmeister kontrollierten Defensivfußball mit starken Konterspitzen, die Aufgabe wird also kaum leichter als heute werden. Aber da hat es bekanntlich geklappt, dazu dann das Publikum in Dortmund, am Dienstag sind wir alle schlauer.

Auch die letztmögliche Sensation bleibt aus – WM 2006 als Turnier der Großen, weltmeisterliche Traditionshalbfinals locken

Gesucht wurde der Halbfinalgegner der deutschen Mannschaft, nur eine Stunde nach dem Elfmeterkrimi standen sich in Hamburg Italien und die Ukraine gegenüber. Beide Mannschaften erlebten bei diesem Turnier Licht und Schatten. Für die Ukraine ging es mit einer 0:4-Klatsche gegen Spanien los, dann aber folgten Siege gegen Saudi-Arabien und Tunesien, die das Achtelfinale gegen die Schweiz sicherten. Dort boten die Osteuropäer zurückhaltenden Defensivfußball, der dann zu einem Sieg im Elfmeterschießen führte und jetzt begrüßte man freundlich die Squadra Azzurra. Diese ließen zwar nur gegen die USA Punkte im ersten Prügelspiel dieser WM, kamen aber bei den übrigen Spielen nicht über einen grundsoliden Gesamteindruck hinaus. So wurde es gegen Australien richtig schwer, erst mit dem Schlusspfiff in der 95. Minute gelang das überaus glückliche 1:0. Unnötig zu erwähnen, dass sich beide Teams für das heutige Viertelfinale viel vorgenommen hatten, Italiens Trainer Lippi vertraute wieder auf Totti, bei der Ukraine fehlten Voronin verletzt und Rusol gesperrt.

Schon nach vier Minuten der erste Warnschuss der Italiener, Camoranesi verzog nur knapp, kurz darauf machte es Zambrotta besser. Totti spielt den Ballverteiler vorm Strafraum, der Mann von Juve zieht aus der Ferne ab und trifft zum 1:0. Damit war das taktische Abwarten schon nach sechs Minuten vernichtet, die Ukraine musste kommen, Italien konnte sich mit Kontern über Wasser halten. Viel sollte gerade in dieser Phase über Shevchenko gehen, doch der Star der Truppe erwischte nicht den ersten schlechten Tag bei dieser WM und mischte sich nur in Maßen ins Offensivspiel ein, überzeugte als präsenter Statist. So vergingen die Minuten ereignislos, weil die ukrainischen Spieler in ihrer Kreativität beschränkt daherkamen und auch sonst wenig spielerische Mittel parat hatten. Italien ging im ureigenen Spiel auf, baute sich vermehrt selbst hinten zu und konnte auf einen gut aufgelegten Totti als Walter im Sturm zurückgreifen, der dann zum Vollstrecker Toni weiterleiten konnte. 23 Minuten waren gespielt, da hätte Italien nach Foul an Perrotta eigentlich einen Strafstoß bekommen müssen, doch das war auch schon alles an Erwähnenswerten. Wer die Ukraine gegen die Schweiz gesehen hat, der kann sich denken, wie diese erste Hälfte nun verlaufen sollte. Erst kurz vor dem Pausenpfiff keimte dann etwas wie ukrainische Torgefahr auf, Tymoshchuk, Shevchenko und auch Kalinichenko verpassen aber recht deutlich. Das 1:0 zur Pause war der verdiente Halbzeitstand, die Ukraine konnte sich nicht als spielstarkes Team präsentieren, auch zum Kämpfen war man augenscheinlich noch nicht aufgelegt, sodass Italien ein starker Angriff und dann Passivität zur Pausenführung genügte.

Dann aber stand das Spiel nach Wiederanpfiff überraschenderweise doch noch ernsthaft zur Disposition, denn die Ukraine zeigte, dass sie im Grunde auch ideenreich spielen kann. Erst klärt Buffon einen Ball von Gusin gerade so noch an den Pfosten, dann muss der italienische Keeper höchsten Einsatz gegen Kalinichenko zeigen. Das Tor aber fiel nicht, gut aber für den deutschen Trainerstab, dass nun Anschauungsmaterial vorhanden ist, wie man diese italienische Defensive bezwingen kann, nämlich durch flottes und zielstrebiges Kurzpassspiel und maßgenaue Abschlüsse, ein guter Ansatzpunkt für Schneider und Schweinsteiger mit Zug nach vorne. Für die Ukraine sollte diese Drangphase allerdings nicht ausreichen, denn schon in Minute 59 machte der dreimalige Weltmeister den Sack zu. Erneut ist Totti der Vorbereiter, seine Ecke köpft Luca Toni ins Netz und hat damit wohl gerade noch rechtzeitig vorm Prüfstein Deutschland ins Turnier gefunden. Damit war der Sack eigentlich zu, obwohl zwei Minuten später Gusin noch eine Großchance an die Latte bringen kann. Italien aber gab sich keine Blöße, überstand die eigene Schwächephase mit einem erhöhten Spielstand wie es nur Spitzenteams können, das insgesamt gerechte 3:0 folgte dann in der 68. Minute erneut durch Toni. Zum Ende hin machten beide Seiten ihre Reihen auf und versuchten es nicht mehr mit letzter Konsequenz, die Ukraine wollte noch den Ehrentreffer und Italien nutzte die Räume zum Kontern, aber etwa eine Handvoll Torchancen später endete ein einseitiges Viertelfinalspiel mit 3:0 für den Favoriten.

Es hat nicht sollen sein für die Ukraine. Hatte man gegen den Geheimfavoriten Schweiz noch das Glück des Untüchtigen, so genügten die spielerischen Mittel ganz klar nicht gegen eine Mannschaft vom Format Italiens. Nun kann man sich gezielt auf die EM vorbereiten, bewirbt sich darüber hinaus mit Polen zusammen um die Ausrichtung des Kontinentalturniers und kann so vielleicht an den Aufwärtstrend anknüpfen, ein WM-Viertelfinale ist ein exzellentes Ergebnis für so ein Land, alles andere wäre vermessen gewesen. Italien gibt sich keine Blöße, machte den Sack schon früh zu und gewann dann von Minute zu Minute mehr Spielpraxis, ist jetzt ein heißer Anwärter auf den Titel. Die Chancen dazu stehen aber immer noch nicht größer als die der deutschen Mannschaft, denn nur der Sieger wird am Dienstag ins ersehnte Endspiel einziehen. Mit diesem Sieg hat sich Italien für das schmerzende Ausscheiden von 2002 rehabilitiert und das Minimalziel erreicht, jetzt könnte man aber wie schon Topfavorit Argentinien das Pech haben, auf die deutsche Mannschaft treffen zu müssen. So durften wir Deutsche lange nicht mehr reden, also nutzen wir es doch bis zur Vergasung aus.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *