Die Viertelfinalpaarungen stehen fest

Allgemeines

Sämtliche acht Achtelfinalbegegnungen, die von Samstag bis zum heutigen Dienstagabend ausgetragen wurden, sind nun Geschichte und somit liegen schon 56 der 64 WM-Matches mit 132 Toren (Schnitt nur 2,35) hinter uns. Das Beste kommt vielleicht noch, dennoch möchte ich ein kleines Zwischenfazit ziehen.

Acht der gestarteten 32 Teilnehmer sind noch im Wettbewerb. Unter den noch im Turnier aktiven Teams befinden sich außer den beiden südamerikanischen Topverbänden bzw. (Ex-)Weltmeistern Brasilien und Argentinien nur Europäer. Von diesen sechs Mannschaften ist einzig Neuling Ukraine zum ersten Mal in dieser Runde vertreten. Sechs der acht Achtelfinalspiele wurden in der regulären Spielzeit entschieden, nur einmal ging es ins Elfmeterschießen. Außerdem setzte sich abgesehen von den Schweizern sowie den Spaniern in sechs Fällen der jeweilige Gruppensieger durch und es kamen sechs Gruppenköpfe weiter. Dies sind zugleich die sechs bei der FIFA WM 2006 vertretenen ehemaligen Weltmeister. Lediglich Ex-Champion Uruguay hatte sich ja nicht für die Endrunde qualifizieren können. Bereits die Vorrunde war kein gutes Pflaster für die höher gehandelten süd- bis osteuropäischen Teams aus Kroatien, Tschechien und Polen, an deren Stelle etwas überraschend Australien, Ghana und Ecuador weiterkamen. Ferner gelang keinem der vier asiatischen Vertreter der Sprung in die Runde der letzten 16 und vier von fünf afrikanischen Mannschaften mussten vorzeitig die Heimreise antreten. Spanien hat zwar die Gruppenphase mit Bravour überstanden, doch mit dem ersehnten großen Wurf wird es nach dem Achtelfinal-Aus gegen Frankreich erneut nichts.

Große Sensationen blieben ingesamt aus, doch war es bei der letzten WM in Asien 2002 noch genau das Ausmaß des Favoritensterbens, das die Frage nach der Fitness und Ausgeruhtheit der Spitzenspieler aufkommen ließ. Nun durften sich die Stars mit ihren favorisierten Nationalmannschaften ausreichend lange auf das sportliche Highlight dieses Jahres vorbereiten und das Ergebnis sehen wir: Die meisten Begegnungen sind spielerisch sicherlich nicht ganz auf dem Niveau der hervorragenden EURO 2004 in Portugal anzusiedeln, denn zu häufig kam es zu Duellen zwischen arrivierten, erfahrenen Teams und Außenseitern/Exoten/Neulingen, in welchen dann ein zu großes Leistungsgefälle herrschte, als dass der Favorit all sein Können aufbieten musste um den Underdog niederzuhalten. Während der Vorrunde stand den Top-Mannschaften noch ein langes Turnier bevor und warum sich mit einer Ein- oder Zwei-Tore-Führung im Rücken und den sicheren Sieg vor Augen noch mehr als nötig verausgaben?! Unglücklich war auch, dass vermeintliche große Spiele wie die zwischen Schweden und England bzw. zwischen Holland und Argentinien am letzten Vorrundenspieltag stattfanden und von den Trainern zum Experimentierfeld benutzt wurden oder dass in Anbetracht des sicheren Weiterkommens Spieler geschont wurden. Positiv zu bemerken ist hingegen, dass bis auf in einem Spiel der Auswahl Serbiens, wo man es eigentlich nicht vermutet hätte, die klaren Endergebnisse mit mehr als vier Treffern Unterschied ausblieben und auch die Teams von Trinidad und Tobago, Angola oder Togo nicht als Kanonenfutter herhalten mussten.

Elf Strafstöße wurden bislang verwandelt. Das Auftreten der Schiedsrichter ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Die Unparteiischen haben die Spiele durchaus in der Regel im Griff, verteilen jedoch bei Zeitspiel gelegentlich zu schnell Gelbe Karten und greifen bei Foulspiel rigoros durch. Die Folge war eine außerordentliche hohe Zahl an Platzverweisen. Allein in den Begegnungen Italien-USA sowie Kroatien-Australien mussten drei und bei Portugal-Holland sogar vier Spieler vorzeitig den Platz verlassen. Passend zum bisherigen Turniercharakter stehen schließlich sieben der acht Nationen nicht gänzlich unerwartet im Viertelfinale. In erster Linie die Engländer werden sich dort hingegen steigern müssen. Ebenso können die Brasilianer und die Italiener nicht noch einmal mit Leistungen wie im Achtelfinale aufwarten, wenn das Ziel WM-Titel heißen soll.

Die Paarungen der nächsten Runde lauten nun:

Deutschland-Argentinien
Italien-Ukraine

England-Portugal
Brasilien-Frankreich

Interessant wird es schon aufgrund der Tatsache, dass am kommenden Freitag und Samstag mindestens drei der Großen scheitern werden. Drei der oben genannten Duelle hat es in der WM-Geschichte bereits mehrfach gegeben und man erinnert sich heute noch gern an bisherige Auseinandersetzungen.

So standen sich Deutschland und Argentinien schon viermal beim Worldcup gegenüber: nachdem die DFB-Elf 1958 in Schweden in der Vorrunde mit 3:1 die Oberhand behalten hatte, trennte man sich 1966 in England im Gruppenspiel mit 0:0. Den nächsten Vergleich entschied Argentinien im mexikanischen WM-Finale von 1986 mit 3:2 für sich, ehe sich die Deutschen vier Jahre später im Endspiel von Italien mit einem 1:0-Erfolg revanchierten. Engländer und Portugiesen sind seit ihrem WM-Halbfinalmatch von 1966 in England (2:1) Rivalen. 1986 in Mexiko spielten beide in der Vorrunde erneut gegeneinander. Portugal gewann 1:0 und schied dennoch aus. Bei den Europameisterschaften 2000 (3:2) und 2004 (2:2 n.V. 6:5 i.E.) schlugen die Iberer die Inselkicker erneut. Brasilien gegen Frankreich, das gab es im Rahmen des WM-Endspieles von 1998 (0:3) nicht zum ersten Mal. 1958 in Schweden siegten Pele & Co. im Halbfinale mit 5:2 und 1986 gewann die Equipe Tricolore ein legendäres Viertelfinale mit 1:1 n.V. 4:3 i.E.

Freuen wir uns auch diesmal auf spannenden Fußball und schauen wir ob Miroslav Klose, derzeit Führender in der Torschützenliste mit vier Treffern, seine Position verteidigen kann!

28. Juni 2006 - Martin Busch

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