Der letzte Auftritt der Helden von Bern

Deutschland

Die WM-Endrunde in Schweden im Jahre 1958 stellte in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes dar. So markierte der Franzose Just Fontaine seine bis heute gültige Bestmarke von 13 Toren während nur einer Endrunde. Die Brasilianer, für die Fussball-Legende Pelé im zarten Alter von 17 Lenzen sein WM-Debüt feierte, gewannen ihren ersten WM-Titel überhaupt. Und auch was Deutschland betrifft, so gab es auch einiges Bemerkenswertes. Einige der legendären Helden von Bern gaben ihren letzten Auftritt auf der Bühne des Weltfußballs und ein junger Uwe Seeler spielte sein erstes von insgesamt vier WM-Turnieren.

Warum aber sprechen wir gerade von diesem Turnier? Nun, Schweden war seinerzeit nicht nur der Gastgeber, sondern auch einer der vier Halbfinalisten. Und versuchen Sie mal zu erraten, wer dort der Gegner der Skandinavier war. Genau richtig: Deutschland. Wie nun bei der WM-Endrunde 2006 trafen die Mannschaften beider Länder in einem Spiel aufeinander, indem es um alles oder nichts ging. Im bisherigen Turnierverlauf hatte das deutsche Team nicht ganz an die Leistungen des vorherigen Turniers anknüpfen können. Aus der legendären Elf, die im Finale von Bern die Ungarn besiegte, waren nur noch drei Spieler mit von der Partie: Fritz Walter, Hans Schäfer und Helmut Rahn. Fritz Walter, der vier Jahre zuvor den Pokal entgegen genommen hatte, war mittlerweile schon 37 und eigentlich schon aus der DFB-Auswahl zurückgetreten. Nur auf die dringliche Bitte von Trainer Sepp Herberger kam der Oldie noch einmal zurück und spielte sein zweites und zugleich letztes WM-Turnier. Auch Hans "nach innen geflankt" Schäfer war mit 31 Jahren nicht mehr im besten Fussballeralter. Nur einer der drei 54er Helden sorgte noch einmal richtig für Furore: Helmut Rahn, der Boss. Mit sechs erzielten Treffern war der Doppeltorschütze von Bern neben Pelé und nach Fontaine der zweitbeste Goalgetter der 58er Endrunde in Schweden.

Die deutsche Mannschaft befand sich also in einem Umbruch. Allein die Tatsache, dass man das Halbfinale erreicht hatte, galt schon fast als Überraschung. In der Runde der letzten Vier folgte allerdings das Turnier-Aus. Wie gesagt, gegen die Mannschaft der Schweden. Immerhin konnte man den Skandinaviern eine Halbzeit lang noch Paroli bieten. Nach Toren von Schäfer (23.) und Skoglund (33.) stand es 1:1-Unentschieden. In Halbzeit zwei aber folgte der Einbruch. Auch deshalb, weil die Herberger-Elf zum Schluss mit lediglich neun Mann auskommen musste. Zunächst wurde Juskowiak wegen einer Tätlichkeit des Feldes verwiesen, später schied auch noch Fritz Walter verletzt aus, womit sein letztes Spiel für die deutsche Auswahl ein wenig traurig endete. In Überzahl und mit einem lautstarken Publikum im Rücken hatten die Skandinavier dann leichtes Spiel. Grem und Hamrin stellten in der Schlussphase ihrem Team einen 3:1-Sieg sicher. Schweden zog zum ersten aber bis heute auch zum letzten Male in das Finale des FIFA World Cup ein. Dort allerdings hatten die Nordeuropäer gegen die damals übermächtigen Brasilianer nicht den Hauch einer Chance. Pelé, Garrincha und Co. siegten überlegen mit 5:2. Seitdem hat die schwedische Auswahl nur noch einmal bei einem WM-Turnier für Furore sorgen können: 1994 in den USA, als man Platz drei ereichte. Und Deutschland? Das Team unterlag auch im Spiel um Platz drei gegen die Franzosen. Die letzten Helden von Bern traten mit zwei Niederlagen ab, was den Glanz ihres Ruhmes aber nicht im Entferntesten ermatten ließ. Den Titel aber hatte Weltmeister Deutschland vorrübergehend verloren, konnte ihn aber 16 Jahre später im eigenen Lande erneut erringen.

Nun sind fast auf den Tag genau 48 Jahre verstrichen. Das Halbfinale zwischen Deutschland und Schweden fand exakt am 26. Juni des Jahres 1958 statt. Eine Revanche hat mittlerweile längst statt gefunden. In der zweiten Gruppenphase des 74er Turniers besiegte das DFB-Team die Skandinavier mit 4:2. Ob nun wieder die Schweden an der Reihe sind? Nach der Vorrunde sieht es nicht unbedingt danach aus. Vieles spricht dafür, dass wie schon 1958 der Gastgeber das bessere Ende für sich hat - und das ist ja bekanntlich diesmal Deutschland.

24. Juni 2006 - Tobias Ruedig (Wir-sind-wm.de)

Copyright © 2006 - 2010 - Stadionluft.de