Die Elf des Turniers

31 Tage lang regierte König Fußball nicht nur die Bundesrepublik, sondern die ganze Welt. 64 Spiele liegen hinter uns – das sind 5940 Minuten oder etwas über vier Tage Fußball. Wir haben diese unglaubliche Menge an Eindrücken zum Anlass genommen, unsere Elf des Turniers zu küren – ohne die Kakas, Ronaldinhos, Adrianos, Rooneys und all die anderen enttäuschenden Stars und Sternchen dieser Welt, dafür mit einigen Gesichtern, die man im Vorfeld der WM nicht unbedingt in eine solche Auswahl getippt hätte. Aber seht am besten selbst…

Taktisch haben wir uns der Mehrzahl der Trainer angepasst und schicken unsere Elf in einem 4-5-1-System mit zwei defensiven und drei offensiven Mittelfeldspielern ins Rennen.

Tor: Gianluigi Buffon (Italien)

Als Torhüter des neuen Weltmeisters ist Buffon natürlich per se im engeren Kandidatenkreis, doch in der Tat war er der herausragende Schlussmann des Turniers. Nur zwei Mal wurde Buffon bezwungen – einmal von seinem eigenen Verteidiger Christian Zaccardo im Vorrunden-Spiel gegen die USA und einmal von Zinedine Zidane im Finale per Elfmeter. Der Juve-Keeper gewann keine Spiele im Alleingang, was aber schlicht daran lag, dass seine Vorderleute zumeist alles im Griff hatten. Wurde er doch gefordert, war er stets hellwach. Lukas Podolski kann davon ebenso ein Lied singen wie Zinedine Zidane, dessen Kopfball in der Verlängerung des Finales von Buffon weltklasse pariert wurde.

Rechtsverteidiger: Gianluca Zambrotta (Italien)

Einer der besten Linksverteidiger der Welt mauserte sich bei der WM zum besten Rechtsverteidiger der Welt. Die Rede ist von Gianluca Zambrotta, der von der Formschwäche Christian Zaccardos profitierte und sich ab dem dritten Gruppenspiel seiner Italiener gegen Tschechien an ungewohnter Position in der Viererkette wiederfand. Von dieser aus glänzte er zumeist mit solider Defensivarbeit, schaltete sich darüber hinaus aber auch konsequent ins Spiel nach vorne mit ein. Höhepunkt seiner WM war ein herrlicher Treffer gegen die Ukraine. Die hervorstechende Eigenschaft Zambrottas ist neben seiner Beidfüßigkeit die Leichtigkeit, mit der er – atypisch für einen Verteidiger – auch Offensivzweikämpfe für sich entscheidet.

Innenverteidigung: Fabio Cannavaro (Italien)

Obwohl er bei der offiziellen Wahl zum MVP leer ausging, war Cannavaro für viele der mit Abstand beste Akteur der WM. Auf Grund von Verletzungen und Sperren musste sich der Kapitan immer wieder umstellen, vier verschiedene Partner (Nesta, Materazzi, Barzagli, Gattuso) hatte er im Turnierverlauf an seiner Seite – der Leistung tat dies keinen Abbruch. Seine Umsichtigkeit und die Fähigkeit, fast jede Situation richtig zu antizipieren, machen Cannavaro zum Star des Turniers. Hinzu kommt, dass er in sieben Spielen keine einzige Gelbe Karte kassierte – eine hoch zu bewertende Tatsache bei der abgelaufenen WM, besonders für einen Innenverteidiger.

Innenverteidigung: Lilian Thuram (Frankreich)

Der einzige Nicht-Italiener in unserer Allstar-Viererkette. Thuram war einer der entscheidenden Faktoren, die zu Frankreichs Wiederauferstehung beitrugen. Der 34-jährige war eigenlich nach der Euro 2004 zurückgetreten, wurde im Verlauf der Qualifikation aber von Trainer Raymond Domenech zur Rückkehr überredet. Ein Glücksfall für die Equipe Tricolore, deren Abwehr von Thuram mit kompromisslosem Zweikampfverhalten und hervorragendem Stellungsspiel stabilisiert wurde.

Linksverteidiger: Fabio Grosso (Italien)

Der große WM-Held der Italiener heißt nicht Totti, Toni oder Pirlo, sondern Grosso. Der Mann von US Palermo war in der KO-Runde an beinahe jeder wichtigen Szene beteiligt. Im Spiel gegen Australien holte er in der Nachspielzeit jenen Elfmeter heraus (ob betrügerisch oder einfach nur geschickt, sei hier dahingestellt), den Totti zum Siegtreffer verwandelte. Im Halbfinale gegen Deutschland traf er in der 119. Minute und bewahrte die Squadra Azzura vor einem Elfmeterschießen. Als es im Finale dann doch zu einem solchen kam, zeigte Grosso keine Nerven und verwandelte den letzten und entscheidenden Elfmeter.

Defensives Mittelfeld: Maniche (Portugal)

Eine der Stützen Portugals, dabei Abräumer und Antreiber in Personalunion. Zum Auftakt gegen Angola musste er mit der Ersatzbank Vorlieb nehmen, danach war er aber aus der Mannschaft von Luiz Felipe Scolari nicht mehr wegzudenken. Seine primäre Aufgabe, das Absichern des kreativen Trios vor ihm, erfüllte er gewohnt souverän und zuverlässig, daneben setzte er aber auch vor dem gegnerischen Tor Akzente. Der Portugiese in Diensten des FC Chelsea suchte immer wieder den Abschluss, bevorzugt mit Distanzschüssen. Im letzten Gruppenspiel gegen Mexiko wurde er dafür erstmals belohnt, wesentlich wichtiger war aber sein zweiter WM-Treffer. Dieser gelang ihm im Achtelfinale gegen Holland und schickte die Oranjes frühzeitig gen Heimat.

Defensives Mittelfeld: Andrea Pirlo (Italien)

Der Stratege vor der Abwehr. Pirlo dirigierte das Spiel der Italiener meist aus einer etwas zurückgezogenen Position und strahlte dabei eine Ruhe aus, die ihresgleichen sucht. Der Mann vom AC Mailand ist einer der wenige, die Fabio Cannavaro den Titel als Spieler des Turniers streitig machen können. Pirlo traf im Auftaktspiel gegen Ghana mit einem wunderbaren Schuss aus der Distanz und bereitete mit einem Geniestreich das 1:0 im Halbfinale vor. Zudem der Spezialist für Standardsituationen aller Art, seine Eckbälle sorgten stets für viel Unruhe im gegnerischen Sechzehner.

Rechtes Mittelfeld: Joe Cole (England)

Der mit Abstand beste Engländer bei der WM. Er hängte Gerrard und Lampard um Länge ab und avancierte zum Star im Team der „Three Lions“. Das Ausscheiden im Viertelfinale konnte auch Cole nicht verhindern, der 24-jährige darf sich aber zu den wenigen Gewinnern auf englischer Seite zählen. In Erinnerung bleibt vor allem sein Traumtor gegen Schweden, als er aus 30 Metern volley abzog und traf.

Zentrales Mittelfeld: Zinedine Zidane (Frankreich)

Der Kopfstoß aus der ominösen 108. Minute des Finales kann den Eindruck, den Zidane hinterlassen hat, nur bedingt trüben. Nicht wenige hatten den Regisseur vor der Endrunde abgeschrieben und ihm ein (sportlich) unrühmliches Karriereende prophezeit. Der Franzose widerlegte die Kritiker aber und kam nach der durchwachsenen Vorrunde richtig in Fahrt. Im Achtelfinale gegen Spanien steuerte er einen Treffer zum 3:1-Erfolg bei, im Viertelfinale machte er eines der größten Spiele seiner Laufbahn. „Zizou“ entzauberte die Brasilianer fast im Alleingang, bereitete das 1:0 vor und lieferte die besten individuelle Leistung eines Spielers bei dieser WM ab. Anschließend traf der Stratege noch zweimal per Elfmeter: Zunächst im Halbfinale gegen Portugal, dann im Endspiel, als er den Ball an die Unterkante der Latte lupfte.

Linkes Mittelfeld: Maxi Rodriguez (Argentinien)

Er sorgte bei den Argentiniern für zusätzliche Torgefahr aus dem Mittelfeld. Für die Mannschaft zudem unheimlich wertvoll auf Grund seiner Flexibilität – Pekerman setzte ihn sowohl im rechten als auch im linken Mittelfeld mit gleichbleibendem Erfolg ein. Seine Sternstunde erlebte Rodriguez im Achtelfinale gegen Mexiko, als er mit dem vielleicht besten Tor der Turniers in der Verlängerung die Entscheidung herbeiführte. Für ihn war es WM-Tor Nummer drei, bereits in der Vorrunde gegen Serbien und Montenegro war er zweimal erfolgreich.

Angriff: Miroslav Klose (Deutschland)

Seine Ausbeute von 5 Treffern war zwar die schlechteste eines Torschützenkönigs seit 1962, nichtsdestotrotz ist Klose der Stürmer der WM. Zwei Toren zum Auftakt gegen Costa Rica folgte ein Doppelpack gegen Ecuador. Der wichtigste Treffer war aber der fünfte. Dieser fiel kurz vor Schluss gegen Argentinien und rettete die Klinsmann-Elf in die Verlängerung. Zusammen mit Lukas Podolski bildete er das gefährlichste Stürmer-Päärchen des Turniers. Einziges Manko: Neun seiner nun insgesamt 10 WM-Tore erzielte der Bremer in der Vorrunde.

Trainer: Marcello Lippi (Italien)

Nachdem unsere Elf fast zur Hälfte aus Italienern besteht, ist es nur konsequent Lippi auf die Trainerbank zu setzen. Doch das alleine reicht als Begründung nicht. Kaum ein anderer Coach lenkte seine Mannschaft während des Spiels derart geschickt wie der Weltmeister-Trainer. Gegen Australien und Deutschland bewies er ein unvergleichliches Gespür und verstärkte seine Offensive, um eine Verlängerung bzw. ein Elfmeterschießen zu vermeiden – prompt wurde er jeweils mit einem späten Tor belohnt.

Italia – Campione Mondiale 2006

Unser Turnier ist vorbei, Weltmeister geworden ist aber wer anders – Italien heißt der glückliche Sieger des ominösen 9. Juli. In einem teilweise dramatischen Spiel gegen Frankreich war Fast-Legende Zinedine Zidane das Zünglein an der Waage, verhalf seinem Team mit einem überflüssigen Kopfstoß nicht nur zur Silbermedaille, sondern sprengte gleichzeitig im Handumdrehen sein eigenes Denkmal. Das Elfmeterschießen musste her und da hatte die Squadra Azzurra das glücklichere Ende für sich, Kapitän Cannavaro nahm von Präsident Köhler den Pokal entgehen. Pizza für alle, jetzt sind es nur noch 20 Tage bis zum Ligapokalauftakt zwischen dem HSV und Hertha BSC Berlin.

Die Antwort: Italien

Eine WM kann noch so schön sein, irgendwann ist sie dann aber doch zu Ende. Die Welt war zu Gast bei Freunden, aber sie wusste, dass der 9. Juli das WM-Finale bringen würde und mit ihm der Abschied vom Fußballzauber eines ab dann historischen Turniers. 32 Nationen haben daran teilgenommen, die Spreu wurde vom Weizen getrennt, letztlich konnten sich zwei Mannschaften ins Finale spielen, die in der Form wohl nicht so viele auf der Rechnung hatten. Gut, da war Italien, mit Italien muss man immer rechnen, aber andere Länder sahen da doch etwas aussichtsreicher aus, Frankreich im Grunde aber nicht. In der Vorrunde drohte sich das Schicksal von 2002 zu wiederholen, aber mit einem – nennen wir es doch – Kraftakt gegen den Underdog aus Togo rutschte man gerade so in die Finalrunden, verbesserte sich dann aber kontinuierlich und so stehen sich jetzt also Italien und Frankreich wie schon bei der EM 2000 im Endspiel gegenüber. Kein Deutschland, kein Brasilien, kein Argentinien oder Holland, von England keine Spur – ein Turnier der Überraschungen war es dennoch nicht. Die vier Wochen Ausnahmezustand sind vorbei, jetzt fokussierte sich der Blick ein letztes Mal auf Berlin. Beide Teams sahen sich zu keiner personellen Änderung gezwungen, schließlich kann die Halbfinal-Aufstellung ja nicht so schlecht gewesen sein, sonst wäre man ja nicht da wo man jetzt war. Der Schiedsrichter vor 72.000 Zuschauern im Stadion und rund einem Viertel der Erdbevölkerung vor den Fernsehern war Horácio Elizondo aus Argentinien, der auch schon das Eröffnungsspiel leiten durfte. Der deutsche Mann Markus Merk hingegen wurde nach der Vorrunde nicht mehr eingesetzt, hätte aber wegen der deutschen Halbfinalbeteiligung ohnehin nicht pfeifen dürfen.

Die Welt befürchtete alt Bekanntes. Es drohte der passive Ergebnisfußball, der dieses Turnier nicht zum spielerischen Glanzpunkt wie noch die vergangene Europameisterschaft gemacht hat. Und tatsächlich begann das Endspiel nicht gerade flott, obwohl es die erste nennenswerte Szene schon vor der ersten Zeigerumrundung zu verzeichnen gab. Thierry Henry rasselte mit Cannavaro aneinander, blieb benommen liegen. Die Franzosen befürchteten schon, ihren Stürmer wie schon im Endspiel von 1998 zu verlieren, doch so bitter kam es dann doch nicht, Henry konnte weitermachen und sich zum auffälligsten Offensivakteur auf dem Platz entwickeln. Spielerisch jedoch zeichnete sich zunächst Magerkost ab, von Italien ist man die Zurückhaltung ohnehin gewohnt und auch Frankreich war vermehrt auf Spielfindung aus und riskierte noch nichts. Ein Tor musste also her, um den Abend nicht am Rande der Trostlosigkeit zu verbringen und der Fußballgott hatte ein Einsehen. Es war die 6. Minute, in der Malouda in den Strafraum der Dunkelblauen vorstieß, wo Materazzi auf ihn lauerte und leicht am Knie berührte, der Strafstoß war berechtigt. Zidane läuft in seinem letzten Fußballspiel an, seine Gegenüber Buffon rät die Ecke, aber der alte Fuchs Zidane lupft doch in einem WM-Endspiel den Ball locker in die Mitte – Leichtigkeit, die einen zum Helden machen kann, in dem Fall aber um ein Haar in die Hose gegangen wäre. Das Leder geht à la Wembley an die Unterlatte, kommt auf dem Boden auf und berührt die Latte erneut, ehe es zurück ins Feld springt. Nun war der Assistent an der Linie gefordert, sah zum Glück alles richtig und verhinderte so einen geschichtsträchtigen Skandal. Der Ball war klar drin, 1:0 für die Grande Nation.

Vorbei war es mit Mauerfußball auf Seiten der Italiener, jetzt musste Fußball gespielt werden. Vorerst jedoch sprang dabei wenig heraus, Frankreich machte die Räume geschickt eng und lauerte auf Konter, während Italien vermehrt mit dem Kopf durch die Wand wollte. Die Folgeminuten wurden so im Mittelfeld entschieden, das Tempo nahm jedoch immer mehr zu, was nicht nur der versammelten Politprominenz auf der Ehrentribüne gefallen haben dürfte. Der Ausgleich kam dann in der 19. Minute. Anders als noch in so vielen Spielen zuvor genügte das eine Tor nicht zum knappsten aller möglichen Siege, denn Italien kam zu einer Ecke, Materazzi steigt von Vieira unbedrängt zum Kopfball hoch und macht doch tatsächlich seinen Fehler wieder gut. Der ansonsten nicht gerade Ruhe ins Spiel bringende Barthez kann sich strecken wie er will – es steht 1:1 im Finale von Berlin. Leider war damit der Offensivdrang beiderseits auf wieder Richtung Nullpunkt gewandert. Zwar war ging man immer noch aktiv zu Werke und schenkte sich nichts, aber vor den Toren hätte man sich getrost schon erste Rasensouvenire stechen können. Fußballerisch ist das ja so schlecht alles nichts, man muss ja auch erst einmal in einem WM-Finale das Ergebnis halten können, um überhaupt Weltmeister zu werden, aber diese Art von Fußball darf einfach nicht die Zukunft sein, das hat dieses Turnier einigermaßen deutlich vorgeführt. Der Fußball braucht wieder Typen mit Ecken und Kanten, die nur zwei bis drei Sachen wirklich gut können und ansonsten dumm rumstehen, der Fußball braucht mehr Raum zum Entfalten und keine Fitnessbolzen, die universell einsetzbar sind, sonst ist es einfach kein Fußball mehr, sondern ein herzloses Zweikampfspiel. Doch sei es wie es ist, die Partie lief einige Zeit vor sich hin, taktisch weiterhin auf allerhöchstem Niveau, doch in der Schlussviertelstunde des ersten Durchgangs wurde es dann tatsächlich noch einmal aufregend. Zweimal ist es Luca Toni, der sich dem Netz nähert, zuerst wird er nur knapp von Thuram gestoppt, dann ist die Latte zum Glücklichsein im Weg. Italien zeigte sich also tatsächlich des zweiten Tores willig, doch der Halbzeitpfiff war letztlich im Weg.

Die Kabinenansprache von Raymond Domenech schien gefruchtet zu haben, sein Team war nach der frühen Führung nicht mehr Herr auf dem Platz, sollte es aber nach dem Wechsel wieder werden. Thierry Henry war der Spiel bestimmende Mann, er setzte sich mit seinen gewohnt wuseligen Aktionen immer wieder irgendwie gegen Italien Galaabwehr durch und kam so gefährlich in Tornähe. Aber was die Verteidigung nicht schaffte, das machte Schlussmann Buffon dann im Zweifel wieder wett, das Tor schien wie vernagelt zu sein für die Equipe Tricolore. Dennoch machte diese Phase Spaß, war sie doch der Beweis, dass ein würdiger Weltmeister über spielerische Mittel auch gegen starke Gegenspieler zum Tor kommt und nicht auf die eine kleine Nachlässigkeit zum Elfmeter oder einen winzigen Stellungsfehler nach 119 Minuten wartet. Wir schreiben die 61. Minute, in der sich die Kräfteverhältnisse wieder ein wenig in Richtung Südalpen verlagerte, denn Marcello Lippi wurde wahnsinnig und brachte mit Iaquinta doch tatsächlich einen zweiten Stürmer. Zeitgleich verließ der heute völlig enttäuschende Totti den Platz, für ihn kam Ellbogenstar De Rossi ins Spiel, der wohl mit einem so schnellen WM-Comeback nicht gerechnet hatte. Mit diesen taktischen Maßnahmen erreichte Lippi zwar kurzfristig kein Tor, aber er unterband damit immerhin die henry’schen Dribblings und verlagerte das Spielgeschehen wieder etwas mehr in die französische Hälfte. Die Paarung verlief jetzt immer ausgeglichener, sie zeigte keinen legendenbildenden Charakter mehr, weil sich so langsam alles auf die Verlängerung einstellte und damit einen weiteren Trend dieser WM fortsetzte. Wozu haben wir denn die Verlängerung, wenn wir uns da nicht reinretten sollten? Nicht zu verlieren ist wichtiger als zu gewinnen und so war weiterhin von Risikobereitschaft nichts zu sehen. Pirlo setzt in der 77. Minute noch einen Freistoß knapp neben den Kasten, aber ansonsten egalisierte man sich fröhlich vor sich hin und so ging es dann in die dritte Halbzeit. Im Grunde verdient, aber Endspiele werden seit geraumer Zeit ohnehin kaum noch verdient gewonnen, treffen sich doch schlauerweise die besten Mannschaften der Welt und ein Remis nach 90 Minuten ist dann einfach verdienter als ein Glückstor auf welcher Seite auch immer. Zumindest wenn das Spiel so wie gesehen verläuft und keiner so richtig herausstechen kann (oder will).

Verlängerungen haben immer eines gemeinsam: alle Akteure werden immer müder, zwar will keiner ins Elfmeterschießen, aber ein Gegentor bedeutet fast immer das Aus, sodass man schlauerweise lieber passiver spielt. In dieser Hinsicht zeigte sich das Finale aber glücklicherweise anders, denn die Fitness war beiderseits vorhanden und das Tempo weiterhin überdurchschnittlich, wodurch uns das Ballgeschiebe erspart blieb. Wie allerdings auch die Torchancen. So folgt jetzt der übliche Spruch von wegen lebt von der Spannung und jeder Fehler könnte entscheidend sein, aber so war es einfach. Die Verlängerung der besseren Sorte wartete aber immerhin mit einer Großchance auf, Malouda und Ribéry schieben sich den Ball zu, dieser verfehlt das Gehäuse aber nach einer Arbeit von vier Jahren nur knapp. Doch damit nicht genug, Frankreich war dem Weltmeistertor nahe, Italien zitterte vor sich hin. Die 103. Spielminute war angebrochen, da kommt der Ball von Sagnol in die Mitte, Zidane köpft aufs Tor und so ein Ball ist in 70% der Fälle drin, aber Buffon beweist seinen Ausnahmestatus und rettet den Azzurri damit das Leben. Soviel zum Spielerischen, es blieb bis zum Schlussschlusspfiff von Schiri Elizondo beim nunmehr für Italien leicht glücklichen 1:1. Eine Szene jedoch muss noch berichtet werden, denn hätte Zidane sein Denkmal mit dem historisch ersten Doppelpack in zwei WM-Endspielen vergolden können, so versetzte er es in der 110. Minute eigenhändig mit Sprengstoff. Zunächst war unklar, was da passiert war, Materazzi liegt am Boden, Buffon stürmt ins Halbfeld, das Schiedsrichtergespann weiß aber keinen Rat und will weiterspielen lassen. Dann jedoch meldet sich Ersatzmann Medina von der Seite, will die Situation gesehen haben und bestätigt das, was Milliarden Menschen im TV gesehen haben: Zidane und Materazzi leisten sich einen normalen Zweikampf, der Franzose will sich entfernen, aber Materazzi flüstert ihm scheinbar italienische Reizkost ins Ohr, woraufhin der große Mann dieses Sports ausrastet und ihm seinen Kopf in den Brustkorb rammt. Die Moral von der Geschicht’ ist Unverständnis weltweit und der rote Karton vom Schiri, das war es mit Fußball für Zidane. Wer da jetzt wen provoziert hat sei dahin gestellt, so ein Kopfstoß darf einem Mann von diesem Format in dieser Situation einfach nicht passieren und lässt sich nur schwer entschuldigen, zumal es nur noch zehn Minuten zum krönenden Karriereende gewesen wäre. Das ist dann einfach Doofheit, die leider Zidanes Karriere immer wieder geprägt hat. Doch die italienischen Spieler gehen gerne in solchen scheinbar unbeobachteten Momenten unter die Gürtellinie, da muss man dann mit leben, aber besser dann solch eine offene und gerade noch harmlose Aktion als irgendein versteckter Ellbogenstoß oder dergleichen.

Der Rest ist schnell erzählt. Frankreich ist nach der Herausstellung natürlich geschockt, das Spiel kippt gänzlich um und der Fußball verabschiedete sich von der diesjährigen WM-Bühne. Die Zuschauer auf den Rängen machten ihren Unmut kund, da sie von der Aktion natürlich nichts mitbekommen hatten und die italienischen Spieler wollten ohnehin nichts lieber als das Elfmeterschießen. Wer weiß, ob nicht Frankreich mit Zidane nach dem Spielverlauf vielleicht doch das Tor gelungen wäre, doch das ist Spekulation, denn Fakt ist, dass es in die Lotterie ging. Neun Elfmeter wurden geschossen, fast alle gingen mehr oder weniger sicher ins Tor, nur einer suchte sich die entscheidenden Zentimeter zur Latte. Da muss man nicht drüber diskutieren, das ist einfach nicht das geeignete Mittel, um einen „Weltmeister“ zu küren, aber was will man groß anders machen, hilft ja nichts. Der Unglücksrabe war ausgerechnet David Trezeguet, der von Domenech fast das gesamte Turnier über zum Zuschauen verdammt wurde und jetzt dementsprechend demotiviert die Silbermedaille für seine Mannschaft heimfuhr. Diese Geschichten schreibt auch nur der Fußball, das Spiel war vorbei, Sieger und damit Weltmeister war Italien. Das allgemeine Chaos bei der Pokalübergabe passt dann auch irgendwie ein wenig zum fußballerisch mittelmäßigen Turnier. Wir erlebten Fußball mit Handbremsen, die „Großen“ setzten sich fast immer durch, weil sie die besseren Fitnesstrainer hatten, symptomatisch da schon, dass es keinen echten Star bei dieser Weltmeisterschaft gab. Doch abseits vom Platz war alles optimal, die Welt war in der Tat zu Gast bei Freunden und das lässt diese WM in guter Erinnerung ruhen. Italiens Spieler waren verständlicherweise euphorisch wie nur was, wollten sich nicht so recht an die FIFA-Bestimmungen halten und versammelten sich allesamt rund um den Pokal. So musste Lennart Johansson eingreifen und das Objekt der Begierde von seinem Platz nehmen und dem völlig versteckten Horst Köhler fast schon zuwerfen, der dann dem Protokoll genüge trug und über einen Mittelsmann die Übergabe vollzog. Der Rest war feiern.

Wir sind Dritter!

Das “kleine” Finale wurde zu einem ganz großen, denn scheinbar unbeeindruckt vom Halbfinalaus feierte ganz Deutschland seine WM-Party weiter: die deutsche Mannschaft bot in einem erfrischenden Spiel einen versöhnlichen Abschluss und besiegte Portugal mit 3:1. Zwei Tore gehen dabei auf das Konto von Bastian Schweinsteiger, auch am dritten war er maßgeblich beteiligt, als er Petit zu einem Eigentor zwang. Jürgen Klinsmann wollte sich nach Spielende nicht in Sachen Rücktritt in die Karten schauen lassen, fest steht nur, dass Oliver Kahn nie mehr im Dress mit dem Adler auflaufen wird. Doch das kann den Festabend nicht trüben, Deutschland holt sich einen hervorragenden dritten Platz und bestätigt damit Rang 2 vom letzten Turnier – mit dieser Konstanz kann nicht einmal Brasilien glänzen, von Italien und Frankreich mal ganz zu schweigen…

Schweinsteiger-Gala beim 3:1 gegen Portugal – Deutschland beendet die WM auf einem hervorragenden dritten Platz

Das vielleicht sinnloseste Spiel, das der WM-Spielplan zu bieten hat, kam auch in diesem Jahr einen Tag vor dem Finale wieder zur Aufführung. Die Rede ist vom Spiel um Platz drei, dem Duell der enttäuschten Halbfinalverlierer, oder schlichtweg dem „kleinen Finale“ als Vorspiel zum großen Finale zwischen Frankreich und Italien. In Stuttgart standen sich also Deutschland und Portugal gegenüber. Portugal musste sich Frankreich durch einen Elfmeter mit 0:1 geschlagen geben, während Deutschland in der Verlängerung der Cleverness der Italiener zum Opfer fiel. Die Klinsmann-Elf wollte die Gelegenheit nutzen, um den Fans im Lande zum Abschluss noch einmal ein Spektakel zu bieten. Trotzdem schickte der Trainer nicht seine beste Elf ins Rennen. Im Vergleich zum Italien-Spiel gab es fünf Änderungen: Friedrich, Mertesacker, Ballack und Borowski konnten verletzungsbedingt nicht mitwirken und wurden von Jansen, Nowotny, Schweinsteiger und Frings ersetzt. Im Tor erhielt Kahn den Vorzug vor Lehmann. Klinsmann bedankte sich mit dieser Geste bei Kahn, der seine Rolle als Nummer zwei während des Turniers klaglos akzeptiert hatte. Auf Seiten Portugals überraschte Scolari, indem er Figo zunächst auf der Bank ließ. Für ihn spielte Simao von Beginn an. Weitere Änderungen rückbezüglich des Halbfinales gab es in der Viererkette: Ferreira und der junge Ricardo Costa rückten für Carvalho (gesperrt) und Miguel (verletzt) ins Team.

Die Partie begann in allerbester Spiel-um-Platz-drei-Manier flott, beide Mannschaften waren gewillt, ihr Heil in der Offensive zu suchen. Zunächst gelang dies der deutschen Mannschaft besser, die erste Chance hatte Sebastian Kehl. Einen Eckball von der rechten Seite legte Metzelder mit dem Kopf auf seinen Dortmunder Vereinskameraden ab, dessen Schuss nur Zentimeter am Pfosten vorbeistrich (5.). Forderungen nach einem Handelfmeter stießen bei Schiedsrichter Kamikawa (Japan) auf kein Gehör. Nuno Valente hatte den Ball noch abgefälscht, ein eindeutiges, absichtliches Handspiel war aber nicht auszumachen. Miroslav Klose hatte nur drei Minuten später die nächste Möglichkeit. Der Führende der Torschützenliste war von Schweinsteiger mit einem wunderbaren Pass auf die Reise geschickt worden, setzte sich gegen Verfolger Costinha durch und verfehlte das Ziel nur knapp (8.). Die Anfangsphase gehörte klar den Gastgebern, Portugal brauchte rund eine Viertelstunde, um ins Spiel zu finden. Einem eher harmlosen Freistoß von Deco (13.) folgte die erste richtig gefährliche Torchance durch Pauleta. Der besonders in der ersten Halbzeit sehr auffällige Simao hatte den Stürmer eingesetzt, Kahn war auf dem Posten und verhinderte mit seiner ersten Parade des Abends den Rückstand seiner Elf (15.). Mit dieser Szene war der Vizeeuropameister endgültig im kleinen Finale angekommen und war jetzt mindestens gleichwertig, wenn nicht sogar überlegen. Die nächste brenzlige Situation ergab sich aber vor dem portugiesischen Tor. Einen Heber von Kehl aus knapp 20 Metern erreichte Ricardo gerade noch mit den Fingerspitzen und lenkte das Spielgerät über die Querlatte (20.). Fünf Minuten später stand der Torhüter schon wieder im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Costa hatte Klose zu Fall gebracht, den daraus resultierenden Freistoß hämmerte Podolski aufs Tor, Ricardo konnte abwehren (25.). Auf der Gegenseite war es Deco, der im Sechzehner an den Ball kam, sich drehte und blitzschnell abzog, dabei aber das Tor verfehlte (31.). Man kann über Sinn und Unsinn dieses Platzierungsspiels trefflich streiten, unterhaltsam war es aber allemal. Weder Portugal noch Deutschland mussten sich vorwerfen lassen, die nötige Ernsthaftigkeit vermissen zu lassen. Dabei erstickte die Begegnung jedoch nicht in taktischen Fesseln, sondern bot schnell vorgetragenen Offensivfußball mit Torraumszenen auf beiden Seiten.

Nach dem Seitenwechsel waren zunächste wieder die Portugiesen am Drücker. Simao zwang Kahn mit einem Freistoß nicht zum Eingreifen (51.), Pauleta vergab nach Vorarbeit von Cristiano Ronaldo, der wie schon beim Halbfinale in München konsequent bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen wurde, aus aussichtsreicher Position (53.). Das erste Tor der Partie fiel auf der Gegenseite. Schweinsteiger zog von der linken Seite nach innen, versuchte sein Glück aus gut 25 Metern einfach mal und traf herrlich zum 1:0 für Deutschland (56.). Ricardo machte dabei keine gute Figur, was die tolle Einzelleistung Schweinsteigers aber nicht schmälern soll. Der Bann war nun gebrochen, die DFB-Elf drängte auf den zweiten Treffer und die damit verbundene Vorentscheidung. Klose flankte quer über den Strafraum auf Lahm, der den Ball volley nahm und knapp verzog (60.). Eine Minute später stand es dann tatsächlich 2:0, wieder hatte Schweinsteiger die Füße entscheidend im Spiel. Sein Freistoß aus halblinker Position wurde von Petit unglücklich ins eigene Netz abgefälscht (61.). Die Mannschaft von Jürgen Klinsmann war auf dem besten Wege, sich Platz drei zu sichern, und hatte das Geschehen nach einigen Unsicherheiten im ersten Durchgang jetzt im Griff. Nichtsdestotrotz musste Kahn sein ganzes Können aufbieten, als Deco zum Schuss kam, der Torhüter lenkte das Leder um den Pfosten (63.). In der 77. Minute brachte Scolari Figo in die Partie, der seine letzte Viertelstunde in der Nationalmannschaft absolvierte. Unmittelbar nach seiner Einwechslung war Figo auch gleich an einem Angriff beteiligt: Er setzte Ronaldo in Szene, dessen Schuss Kahn aber parieren konnte (78.). Im Gegenzug erzielte Schweinsteiger das 3:0. Das Tor war praktisch identisch mit dem 1:0, wieder zog der Bayer aus der Distanz ab – einziger Unterschied war, dass es diesmal für Ricardo wirklich nichts zu halten gab (78.). Portugal war nach diesem Gegentreffer endgültig besiegt, der Vizeeuropameister bemühte sich aber trotzdem noch um den Anschlusstreffer. Metzelder hatte Glück, kein Eigentor zu erzielen – der Innenverteidiger köpfte eine Flanke von Simao an Kahns Fuß (82.). Einen Ronaldo-Freistoß erwischte Kahn, der schon auf dem Weg in die andere Ecke war, gerade noch (83.). Zwei Minuten vor dem Ende wurden die Südeuropäer schließlich für ihren Kampfgeist belohnt. Figo flankte auf Nuno Gomes, der einen perfekten Flugkopfball an Kahn vorbei im Netz unterbrachte (88.).

Mit einem verdienten 3:1 gegen Portugal beendete Deutschland eine aus seiner Sicht hochgradig gelungene Fußball-WM 2006. Nach dem unglücklichen Halbfinal-Aus ließ sich die Mannschaft nicht hängen und verabschiedete sich standesgemäß und mit einem respektablen dritten Platz von den eigenen Fans. Diese feierten das Team, als wäre es Weltmeister geworden. Keine Frage, die Nationalmannschaft hat die Sympathie und Zuneigung des deutschen Fußball-Volkes zurückerobert, auch wenn es zum erhofften Titelgewinn nicht gereicht hat. Fraglich bleibt nun, wie es nach der WM weitergeht. Jürgen Klinsmann hielt sich nach dem Spiel in der Frage Rücktritt oder Weitermachen bedeckt. Konkreter äußerte sich Oliver Kahn, der verkündete nicht mehr für die Nationalmannschaft auflaufen zu wollen. Doch der Rücktritt der Ex-Nummer eins wird ein Einzelfall bleiben. Der Großteil der Mannschaft bleibt zusammen und konzentriert sich ab dem 2. September auf ein neues Ziel – dann nämlich beginnt die Qualifikation zur Euro 2008 mit einem Heimspiel gegen Irland.

WM-Ende mit Finalshowdown

Dreißig Tage nach dem torreichsten Eröffnungsspiel aller Zeiten geht die 18. Fußballweltmeisterschaft auch schon wieder ihrem Ende entgegen. Anders als beim Finale von 2002 findet das letzte von 64 Spielen aus unserer Sicht leider ohne deutsche Beteiligung statt, dafür kann sich die DFB-Elf im heutigen Spiel ersten WM-Match überhaupt gegen Portugal in Stuttgart (21:00 Uhr) zumindest Platz 3 sichern.

Im Endspiel stehen sich dagegen am Sonntag (20:00 Uhr) in einer Neuauflage des 2000er EM-Finals mit Italien und dem Weltmeister von 1998, Frankreich, zwei europäische Nachbarn im Berliner Olympiastadion gegenüber, wie schon 1974 in der Bundesrepublik bei der Paarung Deutschland gegen die Niederlande. Damit steht erst zum zweiten Mal nach dem Krieg weder Deutschland noch Brasilien in der Finalbegegnung. Das Duell der beiden wohl besten Abwehrreihen des Turniers lässt einen offenen, spannenden Kampf erwarten, jedoch auch nur wenige Tore. Wer wird am Sonntagabend der entscheidende Mann? Begeistert uns Zinedine Zidane mit einem Geniestreich oder Thierry Henry mit einem Tor oder hält die italienische Abwehr um Fabio Cannavaro dagegen und Luca Toni nutzt eine der wenigen Gelegenheiten?

Spätestens um 22:30 Uhr wissen wir mehr. Bei wichtigen Partien gewann jedenfalls in der Vergangenheit stets die Equipe Tricolore. Vielleicht gelingt es der Squadra Azzurra, diesmal den Spieß umzudrehen und nach dem Sieg über Gastgeber Deutschland nach 24-jähriger Durststrecke auch den vierten WM-Titel zu holen und an der mit drei Weltmeisterschaften geschmückten DFB-Auswahl vorbeizuziehen. Und wenn nicht, besteht ja immer noch die Gelegenheit, sich in den zwei Spielen der bald beginnenden EM-Qualifikation zu revanchieren, denn dort wurden Italien und Frankreich in eine Gruppe gelost.

ITALIEN

Weg bis ins Finale:

Qualifikation

Europa Gruppe 5:
Erster mit 23 Punkten und 17:8 Toren
Italien-Norwegen 2:1 (1:1)
Moldawien-Italien 0:1 (0:1)
Slowenien-Italien 1:0 (0:0)
Italien-Weissrussland 4:3 (2:0)
Italien-Schottland 2:0 (1:0)
Norwegen-Italien 0:0
Schottland-Italien 1:1 (1:0)
Weissrussland-Italien 1:4 (1:3)
Italien-Slowenien 1:0 (0:0)
Italien-Moldawien 2:1 (0:0)

Endrunde

Vorrunde Gruppe E:
Erster mit 7 Punkten und 5:1 Toren
Italien-Ghana 2:0 (1:0)
Italien-USA 1:1 (1:1)
Tschechien-Italien 0:2 (0:1)

K.o.-Runde:
Achtelfinale: Italien-Australien 1:0 (0:0)
Viertelfinale: Italien-Ukraine 3:0 (1:0)
Halbfinale: Deutschland-Italien 0:2 n.V.

Endrunde
Siege:5
Unentschieden:1
Niederlagen:0
Tore:11:1

Bester Torschütze in Deutschland:
Luca Toni (2)

Größte Verbandserfolge:
FIFA-Weltmeister 1934, 1938 und 1982
Europameister 1968

Bisherige WM-Finalteilnahmen: 5

FRANKREICH

Weg bis ins Finale:

Qualifikation

Europa Gruppe 4:
Erster mit 20 Punkten und 14:2 Toren
Frankreich-Israel 0:0
Färöer-Frankreich 0:2 (0:1)
Frankreich-Irland 0:0
Zypern-Frankreich 0:2 (0:1)
Frankreich-Schweiz 0:0
Israel-Frankreich 0:0
Frankreich-Färöer 3:0 (2:0)
Irland-Frankreich 0:1 (0:0)
Schweiz-Frankreich 1:1 (0:0)
Frankreich-Zypern 4:0 (3:0)

Endrunde

Vorrunde Gruppe G:
Zweiter mit 5 Punkten und 3:1 Toren
Frankreich-Schweiz 0:0
Frankreich-Südkorea 1:1 (1:0)
Togo-Frankreich 0:2 (0:0)

K.o.-Runde:
Achtelfinale: Spanien-Frankreich 1:3 (1:1)
Viertelfinale: Brasilien-Frankreich 0:1 (0:0)
Halbfinale: Portugal-Frankreich 0:1 (0:1)

Endrunde
Siege:4
Unentschieden:2
Niederlagen:0
Tore:8:2

Bester Torschütze in Deutschland:
Thierry Henry (3)

Größte Verbandserfolge:
FIFA-Weltmeister 1998
Europameister 1984 und 2000

Bisherige WM-Finalteilnahmen: 1

DIREKTE TURNIERVERGLEICHE

1986 FIFA Weltmeisterschaft in Mexiko
Achtelfinale 2:0 für Frankreich

1998 FIFA Weltmeisterschaft in Frankreich
Viertelfinale 0:0 n.V. 4:3 i.E. für Frankreich

2000 Europameisterschaft in Belgien / Niederlande
Finale 2:1 i.V. für Frankreich

Kleines Finale: DFB-Elf ohne Ballack

Bundestrainer Jürgen Klinsmann muss im Spiel um Platz 3 gegen Portugal auf drei Stammkräfte verzichten. Nach Per Mertesacker und Arne Friedrich fällt auch Michael Ballack verletzt aus. Der Kapitän laboriert an einer Knieverletzung. Damit rücken Robert Huth und Marcell Jansen in die Startelf. Auch Thorsten Frings kehrt zurück. Das deutsche Tor wird Oliver Kahn hüten. Der Einsatz der etatmäßigen Nummer zwei ist ein Dankeschön für Kahns professionelles Verhalten während des Turniers.

Portugal – Frankreich 0:1

Der zweite WM-Finalist heißt Frankreich, die Equipe Tricolore trifft nun am Sonntag auf Italien. Im Halbfinale gegen Portugal setzte sich der Weltmeister von 1998 mit 1:0 durch, Torschütze war Zidane in der 33. Minute mit einem Foulelfmeter. Portugal bleibt ebenfalls im Turnier und ermittelt am Samstag gegen Deutschland, wer das Turnier als Drittplatzierter beendet.

Frankreich folgt Italien ins WM-Finale – Zidane trifft per Elfmeter

Nach dem bitteren Ausscheiden der deutschen Mannschaft und dem damit verbundenen Einzug der Italiener ins Finale wurde jene Mannschaft gesucht, die am Sonntag im Berliner Olympiastadion mit der Squadra Azzura um den Weltmeistertitel kämpfen darf. Frankreich und Portugal standen sich im Münchner WM-Stadion gegenüber, beiden wurde vor Turnierbeginn das Vordringen ins Semifinale nur bedingt zugetraut. Frankreich, von vielen Experten bereits abgeschrieben und als Altherren-Truppe verspottet, steigerte sich im Verlauf der Endrunde sukzessive. Nach der schwachen und nur mühevoll überstandenen Vorrunde kegelte die Equipe Tricolore zunächst Spanien und dann am vergangenen Samstag Weltmeister Brasilien aus dem Turnier. Portugal setzte sich in der Gruppenphase gegen Angola, den Iran und Mexiko durch und eliminierte in der inzwischen schon fast legendären Schlacht von Nürnberg Holland. Die Hürde England wurde im Elfmeterschießen übersprungen und nun hatte die Scolari-Elf also Frankreich vor der Brust. Dabei konnte der Vizeeuropameister auf die Dienste des zuletzt gesperrten Deco zählen. Logisch, dass der Spielmacher in die Mannschaft zurückkehrte. Auch Costinha war wieder mit von der Partie. Petit und Tiago blieb nur der Platz auf der Bank. Auf Seiten der Franzosen gab es im Vergleich zum Brasilien-Spiel keine Veränderungen. Domenech setzte einmal mehr auf Thierry Henry als einzige Sturmspitze, unterstützt von drei offensiv gepolten Mittelfeldspielern.

Beide Mannschaften legten eine flotte Anfangsphase auf den Rasen. Gerade mal 37 Sekunden vergingen bis zum ersten Torschuss. Ein langer Pass aus der eigenen Hälfte fand Malouda, der aber deutlich verzog und Ricardo nicht zum Eingreifen zwang (1.). Auf der Gegenseite gehörte die erste Aktion Deco, der mit seinem Flachschuss aus gut 20 Metern Barthez forderte. Der Keeper tauchte rechtzeitig ab, Sagnol hinderte den nachrückenden Ronaldo am Nachschuss (4.). Hatten die ersten Minuten noch den Franzosen gehört, so übernahm Portugal nach einer kurzen Eingewöhnungsphase das Kommando. Maniche wurde per Absatzkick von Ronaldo bedient und versuchte es aus der Distanz, der Schuss ging knapp über das französische Tor (9.). Weitschüsse waren das bevorzugte Mittel der Südeuropäer, die zwar ein Plus an Spielanteilen verzeichneten, aber ihre einzige Spitze Pauleta so gut wie gar nicht mit brauchbaren Zuspielen versorgen konnten. Die Franzosen standen aber keineswegs nur in der Defensive. Nach einer sehenswerten Kombination über Zidane und Ribery flankte Abidal auf Henry, der einen Schritt zu spät kam (14.). Die erste Viertelstunde hatte in Sachen Tempo und Technik noch auf einem ausgezeichneten Niveau gestanden, nach rund 20 Minuten aber gewann die Vorsicht die Oberhand und beide Mannschaften agierten zurückhaltender. Der Führungstreffer der Equipe Tricolore fiel in der 33. Minute. Henry versuchte im Sechzehner an Carvalho vorbeizukommen und wurde dabei vom portugiesischen Verteidiger unfair gestoppt. Schiedsrichter Larrionda aus Uruguay entschied korrekterweise auf Strafstoß für Frankreich. Zidane trat an, Torhüter Ricardo ahnte zwar die richtige Ecke, war aber machtlos gegen den harten und platzierten Schuss des Franzosen (33.). Mit dem 1:0 im Rücken spielte Frankreich souveräner und ließ nun kaum mehr Chancen der Portugiesen zu. Diese versuchten nach wie vor ihr Glück meist aus der Distanz, allen voran der sehr abschlussfreudige Maniche. Unterm Strich wirkte das aber zu weiten Teilen unbeholfen und einfallslos. Aus dem Mittelfeld, dem vermeintlichen Prunkstück der Scolari-Elf, fehlten die Impulse, besonders Deco enttäuschte. In wirkliche Gefahr gerieten Les Bleus vor dem Gang in die Kabine nicht mehr.

Nach dem Seitenwechsel hatten zunächst die Franzosen wieder mehr vom Spiel und folgerichtig die besseren Einschussmöglichkeiten. Henry ließ Meira ganz alt aussehen, schüttelte den Stuttgarter ab und wurde vom aufmerksamen Ricardo am Torerfolg gehindert (48.). Bei einem ansatzlosen Schuss von Ribery musste der Keeper ebenfalls eingreifen und das Spielgerät über die Querlatte lenken (49.). Der Ex-Weltmeister drängte in dieser Phase auf den zweiten Treffer, stand darüber hinaus aber weiterhin sicher in der eigenen Hälfte und ließ nur ganz wenige echte Chancen für Portugal zu. Eine davon hatte Pauleta, der den Ball im Strafraum behauptete und sich blitzschnell um seinen Widersacher drehte, allerdings nur das Außennetz traf (53.). Wie schon in den Partien zuvor hing Pauleta mächtig in der Luft, war kaum ins Spielgeschehen eingebunden und strahlte dementsprechend wenig Torgefahr aus. Portugal mühte sich zwar, fand aber so gut wie keine Mittel gegen die sattelfeste französische Innenverteidigung um den überragenden Lilian Thuram. Die Equipe Tricolore kam fast zwangsläufig zu Konterchancen, spielte diese jedoch nicht konsequent zu Ende. Das Match reihte sich nahtlos in die Mehrzahl der bisher gesehenen KO-Spiele ein, sonderlich viel passierte nicht im zweiten Durchgang. Scolari gab seine vorsichtige Grundhaltung auf und brachte mit Postiga einen weiteren Angreifer, Costinha musste vom Platz. Für die vielversprechendste Chance wurde allerdings gegnerische Hilfe benötigt. Einen an sich nicht allzu gefährlich getretenen Freistoß von Ronaldo konnte Barthez nicht festhalten. Figo kam an den Ball, traf mit dem Kopf aber das leere Tor aus kurzer Entfernung nicht (78.). Recht viel mehr gab die Schlussoffensive der Weinroten nicht her. Meira hatte in der Nachspielzeit noch die Möglichkeit zum Ausgleich, der Schuss des Verteidigers aus 16 Metern verfehlte das Tor relativ deutlich (92.). Die Vorlage war vom eingewechselten Helder Postiga gekommen, der bis dato nur durch plumpe Theatralik aufgefallen war.

Zum zweiten Mal nach 1998 steht Frankreich im Endspiel der Fußball-WM, erstmals außerhalb des eigenen Landes. Die Equipe Tricolore steigerte sich, angeführt vom wie in allerbesten Tagen glänzenden Zinedine Zidane, von Spiel zu Spiel. Auch gegen Portugal verdienten sich die Franzosen das Weiterkommen, insbesondere danke der sicheren Defensive. Der Vizeeuropameister wusste sich nach dem Rückstand nicht zu helfen und konnte Barthez selten ernsthaft ins Schwitzen bringen. Frankreich trifft nun im Endspiel am Sonntag auf Italien, es kommt zur Neuauflage des Finales der Euro 2000. Damals führte Italien lange, musste in der Schlussminute den Ausgleich und in der Verlängerung den zweiten Gegentreffer einstecken. Für die Azurri bietet sich nun in Berlin die perfekte Gelegenheit, um sich zu revanchieren. Für die Portugiesen ist die WM ebenfalls noch nicht beendet, am Samstag geht es im Spiel um Platz drei in Stuttgart gegen Deutschland.

Deutschland – Italien 0:2 n.V.

Aus der Traum: Deutschland unterliegt Italien mit 0:2 in der Nachspielzeit, die Treffer für die Squadra Azzurra erzielen Grosso und Del Piero in der 119. und 120. Spielminute.

Pizzaparty und Weißwursttränen

Es war die 119. Minute in einem bis dato ausgeglichenen Spiel. Italien spielte souverän das ureigene Spiel runter, während der deutschen Elf die Erschöpfung anzumerken war, da startet Pirlo noch einen letzten Angriff, spielt ohne zu gucken auf den einmal vernachlässigten Grosso und der schießt eiskalt quer an Lehmann vorbei in die linke Ecke. Schon früh war klar, dass an diesem Abend das Team mit dem ersten Tor gewinnen würde. Erst recht natürlich, wenn dieses in der letzten Minute der Verlängerung fällt, das 2:0 von Del Piero eine Zeigerumdrehung später änderte da dann auch nichts mehr. Deutschland hat alles gegeben, Italien hat alles gegeben und am Ende bleibt die Feststellung, dass Italien dann doch besser war und ist, und wir nun den schweren Gang Richtung Süden antreten müssen, um dort am Samstag wenigstens den dritten Platz zu holen. Selten wollten Deutsche mehr gen Osten reisen als diesmal, doch der Sommernachtstraum vom Finale in Berlin ist geplatzt, am Ende steht das nüchterne Ergebnis und fern ab der Euphoriewelle hätte sich ein anderes kaum vor dem Fußballgott rechtfertigen können. Mit 2:0 nach Verlängerung gewinnt ein abgeklärtes Italien durch die Tore von Grosso und del Piero gegen die deutschen Hoffnungsträger, aber der Reihe nach:

Begonnen hat alles, als Sepp Blatter den Umschlag öffnete und ein Kärtchen herauszog… Na gut, ein paar Ereignisse können wir überspringen, fangen wir lieber mit dem Anpfiff von Schiedsrichter Archundia Tellez an. Oder besser gesagt ein wenig davor, denn der Wirbel um die Sperre von Torsten Frings bereitete manchem Fußballfan eine schlaflose Nacht. Der Bremer setzte die linke Gerade, musste gegen Italien zusehen und wurde von Sebastian Kehl adäquat ersetzt, also daran lag’s schon mal nicht. Darüber hinaus präsentierte sich Bastian Schweinsteiger gegen Argentinien nicht ganz so durchschlagend wie zuletzt (Trainerdeutsch für „schon recht schwach“) und musste für Tim Borowski Platz machen. Munter ging es los im FIFA WM-Dingens von Dortmund, was früher mal irgendwas mit Zahnpaste hieß und ganz davor noch Westfalenstadion, jeder stellte sich auf ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen ein und setzte 120 Minuten mehr auf „Nicht ausscheiden“ als auf „Weiterkommen“. Beide Seiten hatten Mühe ins Spiel zu finden, das Publikum stand von Beginn an hinter den deutschen Spielern und übertrug damit Nervosität beiderseits auf den Rasen. Echte Torchancen waren rar gesät, aber früh wurde deutlich, dass nicht so viel versucht wurde wie noch gegen Argentinien, heute überwog noch einmal mehr die Taktik und so blieb die Begegnung über weite Strecken unattraktiv und mittelfeldlastig. Vor allem Italien machte keinen Hehl daraus, dass Verteidigung der beste Angriff ist, mauerte sich von Minute zu Minute mehr ein, hatte dann aber mit seltenen Kontern die größere Torgefahr parat. Das deutsche Spiel krankte etwas im Mittelfeld, Borowski mühte sich über links nach Kräften, aber sein Pendant Schneider auf der anderen Seite brachte außer ganz seltenen Halbfelddribbling nicht allzu viel zustande, stand heute gar Friedrich eher im Weg. Auch Ballack kam selten durchschlagend mit nach vorne, wohl auch, weil ihn die Defensivarbeit auslastete, denn trotz einer guten Innenverteidigung musste den Italienern nach Kräften jeder Raum genommen werden.

Das Spiel lief so vor sich hin, technisch präsentierten sich beide Seiten ordentlich, dann und wann gab es kleinere Kopfballchancen zu verzeichnen, ansonsten waren die Angriffsformationen aber zugestellt. Auf deutscher Seite arbeitete Klose wieder vermehrt nach hinten mit, machte vorne mit Ausnahme vielleicht einer kleinen Soloaktion in der 50. Minute wenig Schnitte. So wurde das Spiel über die Zweikämpfe im Mittelfeld entschieden, hier herrschte Ausgeglichenheit, Italien hatte eine erhöhte Ballbesitzquote, während Deutschland das Spiel aktiver gestalten wollte. Eine Stunde war vergangen, längst hatte sich die Welt in diese Partie eingesehen und konnte nicht mehr überrascht werden, da hat Podolski endlich einmal Platz im Strafraum, scheitert aber an Buffon. Anders kann so ein Spiel nicht entschieden werden als über eine kleine Unkonzentriertheit der Abwehr und einer knallharten Chancenverwertung gegenüber, nur die besaßen wir scheinbar nicht. Die Uhr tickte unaufhaltsam weiter, immer noch Temperaturen an der 30°-Marke in Dortmund, viel sprach für eine Verlängerung. Italien schien sich seit Anpfiff darauf zu freuen, während die deutsche Mannschaft auch gerne darauf verzichtet hätte, nur ohne Tore wäre der weitere Fortgang dieses Abends beschlossene Sache. Jeder Ball war somit weiterhin hart umkämpft, verständlicherweise gab keiner auf, doch je länger dieses Spiel dauerte, desto gefährlicher schienen die Südeuropäer zu werden. Kurz vor dem vorläufigen Schlusspfiff wäre mit einem Schuss von Perrotta alles vorbei gewesen, aber Lehmann war auf dem Posten und bewies, dass auch die Effizienz bei der Squadra Azzurra nicht hundertprozentig ausgebildet ist. Irgendwann begann die Zeit der Wechsel, die Angelegenheit wurde immer zäher, nach 93 Minuten erlöste der Schiri dann die Spieler und ordnete einige erholsame Krampfausknetminuten an.

Im Grunde war das Fell des Bären in diesem Moment verteilt. Italien zwang Deutschland über 90 Minuten sein Spiel auf, stand felsenfest hinten drin und ließ nur minimale Torchancen zu. Deutschland musste so vermehrt selbst nach vorne gehen und sich verausgaben, während die Italiener dann immer wieder zu Kontern ausholen wollten, dabei zwar meistens ebenso versandeten, aber insgesamt mehr Kraft sparten. Auch nicht von der Hand zu weisen die Tatsache, dass die deutsche Elf schon gegen Argentinien über das Limit ging, Michael Ballack war da Beispiel genug, der selbst mit Duracell-Hasen-Batterien kaum mehr laufen konnte. Italien hingegen tat wenig beim nie gefährdeten 3:0-Erfolg über die Ukraine, verfügt ohnehin über das ein oder andere Kraftpaket. Doch wem das immer noch nicht genügte, um die Euphorie ein wenig zurück zu schrauben, dem versetzte Marcello Lippi einen weiteren Schlag in die Magengrube, brachte mit Iaquinta den zweiten Stürmer und stellte sein System auf Offensivdrang um. Na herrlich. Der gewünschte Effekt ließ nicht lange auf sich warten, keine Minute war gespielt, da küsst der Ball den deutschen Pfosten, kurz darauf sollte es dann die Latte sein. Deutschland durfte sich bei Fortuna bedanken, kämpfte sich tapfer in den Seitenwechsel, war aber stehend K.o. Lukas Podolski hätte dann noch einmal alles ändern können, kam frei zum Kopfball, weil auch Italien jetzt nachlässiger spielen musste, verfehlte aber knapp das Tor, wenig später rettet in der letzten deutschen Chance Buffon heldenhaft. Das wäre es gewesen, aber es kam ja anders. Das deutsche Team hoffte inbrünstig auf das Lehmann’sche Elfmeterschießen, Andreas Köpke schrieb erste Zettel, aber Italien wollte sich auf das Nervenspiel nicht einlassen. Die Visiere wurden zum ersten Mal an diesem Abend aufgeklappt, Deutschland wankte und wankte und wankte… und fiel.